Jahresprognose gekappt
Deutsche Baubranche mit düsteren Aussichten

Der Dachverband der deutschen Baubranche hat seine Jahresprognose deutlich senken müssen. Zu erwarten sei nur noch ein Umsatzplus von 2,3 Prozent. Auch diese Prognose stehe aber „unter dem Damoklesschwert der Eurokrise“.
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BerlinDas deutsche Baugewerbe kappt wegen fehlender Investitionen der öffentlichen Hand seine Geschäftsziele für 2012. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe werde nur um 2,3 Prozent auf gut 94 Milliarden Euro steigen, erklärte der mittelständische Dachverband ZDB am Dienstag. Bisher hatte der Verband noch auf ein Umsatzplus von fast vier Prozent gehofft. Während es im Wohnungsbau dank des Immobilienbooms in der Schuldenkrise weiter blendend läuft, senkte die Branche ihre Prognose für den Wirtschaftsbau. Düster sind die Aussichten beim Sorgenkind, dem Öffentlichen Bau. "Wir hatten für das laufende Jahr eine schwarze Null erwartet", sagte ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein in Berlin. "Per Juni schlagen hier aber minus 8,4 Prozent ins Kontor." Für das Gesamtjahr befürchtet der ZDB nun einen Rückgang um 2,7 Prozent.

Auch diese Prognose stehe aber "unter dem Damoklesschwert der Eurokrise", warnte Loewenstein. Sollte diese wider Erwarten stärker auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen, stünden Bauinvestitionen zur Disposition. "Einzelne Berichte über auf Eis gelegte Projekte haben uns bereits erreicht."

Hauptwachstumstreiber der Branche ist derzeit der florierende Wohnungsbau, weil in der Schuldenkrise viele Investoren ihr Geld in Immobilien stecken und private Häuslebauer ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen. Von dieser Sparte erhofft sich die Branche 6,7 Prozent mehr Umsatz.

Im Wirtschaftsbau läuft es nach ZDB-Angaben zwar gut. Aber die Unternehmen investierten wegen der Schuldenkrise zurückhaltender in Erweiterungsbauten. Die ZDB-Experten rechnen deshalb nur noch mit 2,5 Prozent mehr Umsatz, bisher hatten sie ein Plus von gut vier Prozent angepeilt. Die geringere Zuversicht wirkt sich auch auf die Personallage aus. Der Verband schätzt die Zahl der Beschäftigten im Jahresschnitt auf rund 745.000. Dies wären etwa 11.000 mehr als 2011. Ursprünglich hatte der ZDB mit einem Plus von 16.000 gerechnet.

Bei der Ertragslage konnten die Baufirmen nach Loewensteins Worten zuletzt aufholen. Die Umsatzrendite - also das Verhältnis zwischen Gewinn und Einnahmen - liege zwar bei ein bis zwei Prozent, dürfte im nächsten Jahr aber wieder nachlassen.

Die Gefahr einer bundesweiten Immobilienblase wegen steigender Preise etwa bei Wohnungen in Ballungsgebieten sieht der ZDB-Chef nicht. Eine "kleine Blase" macht er hingegen bei besonders teuren Bauprojekten aus, wo die Bausubstanz oft nicht dem hohem Preis entspreche. "Viele von den Leuten, die zu 8000 Euro pro Quadratmeter gekauft haben, werden auf Sicht keine Freude haben", sagte Loewenstein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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