Jahreszahlen
Carl Zeiss verspricht Besserung nach Katastrophenjahr

Carl Zeiss ist im abgelaufenen Geschäftsjahr in die roten Zahlen gerutscht. Hauptgrund dafür war ein beispielloser Einbruch in der wichtigen Halbleitersparte. Es gab bei dem Technologiekonzern aber auch Bereiche, die Freude gemacht haben. Aus der Krise will will Carl Zeiss gestärkt hervorgehen.
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STUTTGART. Der Optik- und Elektronikspezialist Carl Zeiss rechnet im neuen Geschäftsjahr mit einer Trendwende und deutlich wachsenden Umsätzen. „Wir spüren seit September einen zweistelligen Anstieg der Nachfrage aus der Chipindustrie“, sagte Vorstandschef Dieter Kurz gestern bei der Präsentation der Bilanz. Im abgelaufenen Geschäftjahr 2008/09 war der Umsatz der zuvor größten Konzernsparte um 62 Prozent von einer Mrd. Euro auf 386 Mio. Euro abgesackt. Die Sparte habe doppelt gelitten, betonte der Vorstandschef: Den ab 2007 einsetzenden zyklischen Abschwung habe die Finanzkrise noch verschärft.

Zeiss fertigt Belichtungsobjektive, mit deren Hilfe Chips hergestellt werden. Die Schwaben haben binnen zwölf Jahren die japanische Konkurrenz abgehängt und einen Marktanteil von über 60 Prozent erkämpft. Deshalb traf Carl Zeiss der Einbruch der Chipindustrie besonders hart. Trotz roter Zahlen hielt Zeiss die Investitionen in Forschung und Entwicklung oben. In der zweiten Jahreshälfte 2010 kommt die nächste Generation der Produktionstechnologie auf den Markt. Weltweit erstmals wird Zeiss dann bei einem Kunden die Halbleiter mit Röntgenstrahlen belichten. Carl Zeiss arbeitet seit 15 Jahren an dem Projekt.

Zeiss glänzt mit Innovationen

Der Konzern gehört seit Jahren zu den innovativsten deutschenTechnologiefirmen. Selbst in der ältesten Sparte des über 160 Jahre alten Unternehmens, der Mikroskopie, wartet Zeiss immer wieder mit bahnbrechenden Neuerungen auf. Mit dem neuen superauflösenden Lichtmikroskop können Forscher zehnmal mehr sehen als zuvor. Bei der Auflösung von unter 200 Nanometern werden einzelne Moleküle sichtbar.

Aber auch die Mikroskopie mit einem Plus von acht Prozent auf 365 Mio. Euro und die von Analysten hochgelobte börsennotierte Medizintechnik-Tochter mit einem Plus von sieben Prozent auf 706 Mio. Euro Umsatz konnten das Abrutschen des Konzerns in die Verlustzone nicht verhindern. Insgesamt büßte Zeiss 2008/09 nach fünf Jahren mit starkem Wachstum 23 Prozent seines Umsatzes ein und erlöste 2,1 Mrd. Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust vor Zinsen und Steuern von 65 Mio. Im Vorjahr waren es 343 Mio. Euro Gewinn.

Verzicht auf Weihnachtsgeld

Seit Januar steuert der Konzern mit einem Sparprogramm in Höhe von 100 Mio. Euro gegen. Die Beschäftigten verzichten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dafür müssen sie keine Kündigungen bis zum 30. September 2010 befürchten. Die Lage scheint sich bereits zu entspannen. Inzwischen arbeiten nur noch 900 Beschäftigte in Kurzarbeit. In der Spitze waren es zuvor 1 600 von insgesamt 13 000 Beschäftigten. Der Verzicht auf Kündigungen mache sich vor allem in der Halbleitertechnik bezahlt: „Der gerade angesprungenen Nachfrage können wir nur deshalb kurzfristig nachkommen, weil wir die Leute noch haben und sie sehr flexibel waren“, betonte Kurz.

Keinesfalls will Kurz an der Forschung sparen, für die Zeiss mit 284 Mio. Euro 14 Prozent des Umsatzes ausgab. Das Stiftungsunternehmen reinvestiert traditionell einen Großteil des Gewinns. Seit 2005 hat sich die Eigenkapitalquote auf 34 Prozent verdoppelt. Im vergangenen Krisenjahr fiel sie auf immer noch solide 29 Prozent, wie Finanzchef Michael Kaschke sagte. Die Nettoliquidität sank von 615 auf 478 Mio. Euro. Sorgenkind ist neben der Messtechnik die gemeinsam mit dem Finanzinvestor EQT betriebene Brillenglas-Sparte Carl Zeiss Vision, die wegen gesunkener Nachfrage und hartem Preiswettbewerb rote Zahlen schreibt. Die Tochter verhandele mit den Banken derzeit über neue Finanzierungsbedingungen, da die Kreditbedingungen gebrochen wurden. Es werde aber eine Lösung gefunden, sagte Kurz.

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