Jahreszahlen Infineon
Das vergiftete Erbe von Siemens

Wenn Infineon heute seine Jahresabschlusszahlen vorlegt, wird es vermutlich nicht viel zu lachen geben. Das war in den vergangenen Wochen und Monaten häufig so bei ehemaligen Siemens-Sparten. Egal ob sie BenQ Mobile, Qimonda oder Epcos heißen:

MÜNCHEN. Ein lichtdurchfluteter Raum mit hoher Decke, elegant und großzügig wie die Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels. Am Empfang im Vorstandstrakt der Zentrale von Infineon haben die Planer gewiss nicht gespart. Großen Freizeitwert hat auch die Seenlandschaft im weitläufigen Park rund um das "Campeon" genannte Hauptquartier des Chipherstellers.

Heute gegen halb zwölf wird Vorstandschef Peter Bauer hier der Presse die Jahreszahlen erläutern. Die Ergebnisse werden allerdings so gar nicht zu dem ausgesprochen angenehmen Arbeitsumfeld passen. Denn wieder einmal wird Infineon seine Anteilseigner schwer enttäuschen.

Infineon steht mit seinen jämmerlichen Zahlen unter den ehemaligen Siemens-Bereichen nicht alleine da. Ob BenQ Mobile oder Fujitsu Siemens Computers (FSC), ob Qimonda oder Epcos - es ist fast schon die Regel, dass frühere Siemens-Sparten ins Trudeln geraten, sobald der Münchener Technologiekonzern sie verstoßen hat.

Qimonda kämpft ums Überleben, weil dem Speicherchiphersteller das Geld ausgeht. Der angeschlagene PC-Produzent FSC wird gerade von Fujitsu geschluckt, und der Elektronikproduzent Epcos hat sich jüngst selbst an TDK verkauft. Der Handyproduzent BenQ Mobile, in dem die frühere Mobilfunksparte von Siemens aufgegangen ist, musste schon vor zwei Jahren Insolvenz anmelden.

"Infineon ist heute noch so bürokratisch wie Siemens vor zehn Jahren", lästert ein Unternehmenskenner. Während die große Mutter sich weiterentwickelt habe, sei Infineon stehen geblieben. Noch schlimmer: Bis heute lieferten sich im zweitgrößten europäischen Chipkonzern alte Seilschaften aus Siemens-Zeiten schwere Schlachten. Die Konsequenz: Infineon hat heute die wahrscheinlich schönsten Büros der Halbleiterindustrie, aber mit die erbärmlichsten Zahlen.

Zugegeben, Siemens hat in den letzten zehn Jahren nicht gerade die Ertragsperlen aus dem Konzern herausgelöst. Doch dass die Mitgift dermaßen toxisch sein würde, hätte sich während der großen Abspaltungsphase Ende der 90er Jahre wohl niemand gedacht. Firmen wie Infineon und Epcos wurden Fabriken aufgehalst, die sie hinterher mit viel Zeitaufwand und für viel Geld abwickeln mussten. Das Management kämpft zudem bis heute mit der traditionell bei Siemens sehr selbstbewussten IG Metall. Das beschleunigt Entscheidungen nicht gerade.

Erst diesen Sommer hat sich Siemens wieder von zwei Bereichen getrennt, aber jeweils Minderheitsanteile behalten. Die Telefonanlagen gehören jetzt einem amerikanischen Finanzinvestor, die Schnurlostelefone der Starnberger Beteiligungsgesellschaft Arques. Die neuen Eigentümer sollten sich Infineon & Co. genau anschauen. Es gibt viel zu lernen, wie Manager ein Unternehmen besser nicht führen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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