Jahrhundertsommer kurbelt das Geschäft an
Bayerns Brauer setzen aufs Oktoberfest

Morgen in einer Woche wird auf dem Münchener Oktoberfest „o’zapft“. Zwischen fünf und sechs Millionen Liter Bier werden auf dem weltgrößten Volksfest die Kehlen hinunterfließen. Sollte in den 16 Tagen auf der Wies’n die Sonne scheinen, wäre das Glück der bayerischen Brauer perfekt. Denn schon der Sommer sorgte für unerwartet hohe Umsätze.

MÜNCHEN. Verläuft das Oktoberfest wie geplant, können sich die Brauer im Süden der Republik endgültig vom negativen Trend im Rest der Republik abkoppeln. Denn in Deutschland geht der Bierkonsum seit Jahren stetig zurück. „Nach den Herbstfesten erwarten wir, dass es bei dem Absatzplus bleibt“, sagt der Sprecher des Bayerischen Brauerbundes. Allein im Juli konnten Bayerns Brauer ein Wachstum von 6 % erzielen. Nach sieben Monaten steht unter dem Strich noch ein Plus von knapp 2 % auf 13,6 Mill. Hektoliter, während im größten Bier-Bundesland Nordrhein-Westfalen im gleichen Zeitraum der Absatz um 8 % auf 15,7 Mill. Hektoliter einbrach. Der Präsident des Bayerischen Brauerbundes Michael Weiß führt das gute Abschneiden in erster Linie auf den Jahrhundertsommer und die entsprechend starke Nutzung der Biergärten zurück. In keinem Bundesland gibt es mehr so genannte Freischankflächen wie im Freistaat. Damit hängt aber in keinem Bundesland der Bierkonsum so stark vom Wetter ab wie in Bayern. „Petrus war in diesem Jahr unser bester Außendienstler“, ist ein geflügeltes Wort unter den bayerischen Braumeistern.

Ungewohnt positive Klänge aus einer Branche, die in diesem Jahr keine Gelegenheit ausließ, sich über die Einführung des Dosenpfandes zu beklagen. Der Präsident des deutschen Brauer-Bundes Richard Weber hatte den Absatzeinbruch durch das Dosenpfand als „absolut dramatisch“ bezeichnet. Auch für den Chef der Spaten-Löwenbräu-Gruppe Jobst Kayser-Eichberg ist das Dosenpfand eine „Katastrophe“. Doch der Jahrhundertsommer hat zumindest in Bayern die Wunden etwas geheilt. Die zweite große Bier-Gruppe Paulaner hat zwar in den ersten sechs Monaten das Dosenpfand rund 66 000 Hektoliter Absatz gekostet. Doch das Minus konnte nach Angaben eines Firmensprechers durch die Schönwetterperiode wettgemacht werden. Der neue Brauereichef Wolfgang Salewski, der den glücklosen Axel Meermann im Frühjahr ablöste, rechnet damit, dass die Paulaner- Gruppe „nach zwei umsatz- und ertragsmäßig schwierigen Jahren das Geschäftsjahr wieder mit positiven Jahresergebnis abschließen wird.“

Paulaner hat sich inzwischen an die Heineken-Gruppe angelehnt und auch Kayser-Eichberg schloss zuletzt Kooperationen mit ausländischen Großkonzernen nicht mehr aus. Die großen Brauereien versuchen vor allem durch Export den schwachen Inlandsmarkt zu kompensieren und brauchen dafür die Vertriebswege der internationalen Großkonzerne. Die Erfolge im Ausland können sich inzwischen sehen lassen: Im ersten Halbjahr 2003 stieg der Export des bayerischen Gerstensafts um fast 7 % auf 870 000 Hektoliter. Seit drei Jahren versuchen die Bayern den Export vor allem über das weltbekannte Oktoberfest anzukurbeln.

Neben den großen Marken Paulaner, Löwenbräu und Spaten prägen Bayerns Brauwirtschaft aber viele kleinere lokale Brauereien. Trotz starker Konzentration in den vergangenen Jahren sind immer noch 654 mittelständische Betriebe übrig geblieben, von denen nur 17 mehr als 200 000 Hektoliter Ausstoß erzielen. Im Gegensatz zu den Großen haben die kleinen, traditionell mehrweg-orientierten Mittelständler vom Dosenpfand aber profitiert.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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