James Liang
VW-Ingenieur drohen drei Jahre Gefängnis in den USA

Zusammen mit seinen Kollegen installierte James Liang die Betrugssoftware in US-Dieselautos. Die Staatsanwaltschaft fordert nun drei Jahre Haft. Liang ist nicht der einzige Ingenieur, dem eine Gefängnisstrafe droht.
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DüsseldorfJames Liang war Pragmatiker. Als Ingenieur war er schließlich dafür zuständig, praktische Lösungen für Probleme zu finden. Ob das moralisch richtig war, darum würden sich andere kümmern. Er verzichtete darauf, „zu widersprechen, zum Whistleblower zu werden oder zu kündigen.“ So schildert die US-Staatsanwaltschaft die Haltung des langjährigen VW-Ingenieurs, der im Diesel-Skandal zum Kronzeugen geworden ist.

Am Freitag soll das Urteil im Fall Liang verkündet werden. Die Staatsanwaltschaft fordert nun in einem Gerichtsdokument drei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 20.000 Dollar. Liangs Verteidiger dagegen fordern eine Bewährungsstrafe, von der er ein Jahr lang im Hausarrest verbringen könnte. Es ist das erste Urteil, das gegen einen VW-Manager gesprochen wird.

„Liang sieht sein Fehlverhalten nun ein. Aber es ist notwendig, dass das Urteil des Gericht streng genug ist, um ihn für seine Rolle in dem atemberaubenden Betrugsfall zu bestrafen und ihn für seine Vergehen zur Rechenschaft zu ziehen“, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Sie will ein Exempel für andere Manager statuieren.

Liang, 63, ist deutscher Staatsbürger, lebt jedoch seit 2008 in den USA und trägt seit Monaten eine Fußfessel. Ihm wird vorgeworfen, die Betrugssoftware, die im Zentrum des Dieselskandals steht, gemeinsam mit Kollegen „installiert, kalibriert und angepasst“ zu haben. VW hat bereits eingeräumt, dass die Autos nur auf dem Rollenprüfstand die Abgaswerte einhalten, im normalen Fahrbetrieb jedoch deutlich schmutzigere Abgase ausstoßen und dafür mehr als 20 Milliarden Dollar Strafe gezahlt.

Detailliert hat Liang ausgepackt, auch über seinen früheren Chef, Oliver Schmidt. Der sitzt anders als Liang in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Michigan. Ihm drohen insgesamt bis zu sieben Jahre Haft und eine Geldstrafe von 400.000 Dollar. Der Schuldspruch ist für den 6. Dezember angesetzt.

Liang wäre bereit gewesen, gegen seinen früheren Chef vor Gericht auszusagen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Doch so weit wird es nicht kommen. Schmidt hatte sich schuldig bekannt und kooperiert nun ebenfalls mit den Behörden.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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