Japan
Casio: Im Land des Monozukuri

In der Krise setzt Japan auf das, was das Land einst reich gemacht hat: das "Sachenmachen", die Kunst, schneller und sorgfältiger zu produzieren als sonst wo auf der Welt. Elektrokonzern Casio, Spezialist für Uhren, Handyteile und Kameras, ist Vorreiter des Trends.

HIGASHINE. Die Suche nach Japans Antwort auf die globale Wirtschaftskrise führt hinaus aus der Hochhauswelt Tokios und hinein in die Bergwelt der Nordwestregion Yamagata. Selbst Japans legendärer Schnellzug braucht mehr als drei Stunden bis dorthin. Vorbei rast der Shinkansen an weiten Ebenen mit Reisfeldern, hinter denen sich die Zacken hoher Berggipfel erheben. In der Ferne leuchtet im Sonnenlicht immer mal wieder eines der typischen orangeroten Tore auf, die Japans Shinto-Schreine bewachen.

Auf einer Hochebene dann strahlen sie dem Besucher entgegen, weiße Klötze, die sich später als Hallen einer Fabrik entpuppen. Nicht irgendeiner Fabrik, sondern des Vorzeigewerks modernster Technik. Hier, in der Provinz, in der Stadt Higashine, produziert der Elektrospezialist Casio Uhren, Handyteile und Kameras.

Es ist eine Welt, in der Tradition und Erneuerung zu Hause sind, so abgeschieden wie zugleich aufgeschlossen. Und in der ein altes Wort zu neuem Leben erweckt werden soll. Ein Wort, dessen Bedeutung Japan schon aus so mancher Krise geholfen hat - und es auch diesmal wieder richten soll: "Monozukuri", das Sachenmachen.

Masaki Isozaki ist sein Meister. Ein Mann in seinen mittleren Jahren mit schmalrandiger Brille und ersten grauen Haaren. Er trägt einen Blaumann über Hemd und Krawatte. Isozaki ist der Werksleiter in Higashine. Stolz führt er durch seine heiligen Hallen, hinter weißen Wänden werkeln Hunderte von Roboterarmen, die auf Maschinen in der Größe von Kleinbussen sitzen. Seine Fabrik ist automatisiert bis zum Anschlag. "Wir verbessern gerade in diesen Zeiten das Monozukuri", sagt Isozaki, "um gestärkt aus der Krise hervorgehen zu können."

"Monozukuri", das Wort ist den Japanern fast so heilig wie ihre Shinto-Götter. Es steht für die Kunst der Industrieproduktion, besser, der Fähigkeit, sorgfältiger zu produzieren als sonst wo auf der Welt. "Monozukuri" ließ das rohstoffarme Land einst reich werden, ihren globalen Erfolg führen die Söhne des Tenno darauf zurück. Im 19. Jahrhundert hat dieses Können den Aufstieg zur Industrienation gebracht, nach dem Krieg ein Wirtschaftswunder ermöglicht und den Japanern seitdem einen festen Platz als Technikführer gesichert.

Doch jetzt ist 2009, und Japan muss die bewährte Kunst weiterentwickeln. Denn infolge der Wirtschaftskrise sind Autos, Kameras, Fernseher, Maschinen weltweit kaum noch gefragt. "Monozukuri in der Krise!" titelte kürzlich das Magazin "Nikkei Business".

Firmen wie Casio, Toyota, Honda oder Panasonic investieren deshalb gerade jetzt viel Geld in die Entwicklung von Produkten für die Zeit nach 2011. "Gerade die guten Unternehmen haben große Chancen, hinterher weniger geschwächt als die Konkurrenz dazustehen", sagt Florian Kohlbacher, Ökonom am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio. Die "guten Unternehmen" arbeiten deshalb schon jetzt an Haushaltsrobotern, 3-D-Fernsehern oder Gedankensteuerungen für Elektrogeräte.

In den Bergen von Yamagata ist der Versuch, das "Monozukuri" weiterzuentwickeln, besonders gut zu beobachten.

Die mittelgroße Elektrofirma Casio mit 13

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