Japan neu entdecken
Deutsche Wirtschaftsverbände fordern mehr Engagement in Japan

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft rufen deutsche Unternehmen zu mehr Engagement in Japan auf. Derzeit könne man den Eindruck gewinnen, nur in China liege die Zukunft der deutschen Wirtschaft, schreiben die Verbandsvertreter in einem vom Handelsblatt veröffentlichten Appell.

DÜSSELDORF. "Mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftskraft im Asien-Pazifik-Raum wird jedoch nicht in China, sondern ganz allein in Japan generiert", heißt es weiter. Japan werde an der dynamischen Entwicklung der Region teilhaben und seine starke Position dort halten.

Wenn deutsche Unternehmen an den Wirtschaftsboom in Asien denken, dann meinen sie vor allem China. Man kann sogar den Eindruck gewinnen, nur im Reich der Mitte liege die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftskraft im Asien-Pazifik-Raum wird jedoch nicht in China, sondern ganz allein in Japan generiert. Trotz dieser objektiven Stärke haben viele Unternehmen in Deutschland Japan in den neunziger Jahren ganz oder teilweise abgeschrieben: Nach einer langen Zeit der Stagnation auf dem japanischen Binnenmarkt sahen viele keine Geschäftschancen mehr im zweitgrößten Industrieland der Welt. Doch die Kritiker Japans machen einen schweren Fehler: Japan wird an der dynamischen Entwicklung der Region teilhaben und seine starke Position dort halten.

Japan, heute immer noch mit weitem Abstand der größte Konsumgütermarkt Asiens, wird auch in zwanzig Jahren eine der führenden Industrienationen der Welt sein – mit enormem innovativem Potenzial. Die zunehmende wirtschaftliche Integration innerhalb der Region wird das Land zu einer noch stärkeren Einbindung und Öffnung zwingen. Die japanische Industrie kann nur so ihre jetzige Position als Referenzmarkt für moderne Technologie in und für Asien halten. Hinter vielen chinesischen Exporterfolgen auf dem Weltmarkt stehen heute japanische Technologien. Ohne die Investitionen japanischer Konzerne, die China als Produktionsstandort nutzen, wäre das Reich der Mitte nicht zu so schnellen Entwicklungsschritten fähig gewesen. Umgekehrt gilt deshalb auch: Wer sich nicht mit Japan beschäftigt und seine Chancen dort nutzt, kann in Asien und China auf Dauer nicht bestehen.

Die heutige Rolle der deutschen Wirtschaft in Japan entspricht jedoch nicht dem Potenzial, das sich auf dem dortigen Absatzmarkt bietet. Die Palette deutscher Produkte und Dienstleistungen bleibt auf dem Markt bisher sehr begrenzt. Unser Angebot spiegelt die Kompetenzen wider, die gerade ältere Japaner heute noch Deutschland zusprechen: technologisches Know-how, Umweltbewusstsein und Zuverlässigkeit. In Marktsegmenten, die mit Kreativität, Design und Lifestyle in Verbindung gebracht werden, ist Deutschland bislang unterrepräsentiert. Dieses Defizit sollte die deutsche Wirtschaft gezielt abbauen. Der Anteil Japans am deutschen Außenhandel sollte sich unserer Meinung nach in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Derzeit liegt er bei gerade 2,6 Prozent. Dieses Ziel ist zwar ambitioniert, aber durchaus erreichbar. Japans Wirtschaft wächst seit mehreren Quartalen wieder. Damit eröffnen sich neue Chancen für die deutsche Exportindustrie. Und auch als Investitionsstandort wird Japan in ausgesuchten Bereichen zum ersten Mal wieder interessant.

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