Japan
Panasonic streicht 15 000 Arbeitsplätze

Aus der japanischen Elektronikbranche kommen erneut schlechte Nachrichten: Panasonic streicht wegen des schwachen Geschäfts in der Wirtschaftskrise 15 000 Arbeitsplätze. Der japanische Elektronik-Riese blickt äußerst skeptisch in die Zukunft,

TOKIO. Der japanische Elektronikhersteller Panasonic folgt der übrigen Elektronikbranche und kündigt Verluste sowie Stellenabbau an. Der Konzern will sich von 15 000 Mitarbeitern trennen und liegt damit genau Tausend Stellen unter den Entlassungsplänen des etwas kleinere Konkurrenten Sony. Die erwarteten Verluste fallen bei Panasonic sogar rund doppelt so hoch.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres (bis Ende März) erwirtschaftete Panasonic zwar noch ein Plus von umgerechnet 567 Mio. Euro, im Gesamtjahr wird sich jedoch wegen eines desaströs verlaufenden vierten Quartals ein Verlust von 3,3 Mrd. Euro anhäufen. „Der Absatz sieht wirklich sehr schwach aus“, sagte Vorstandsmitglied Makoto Uenoyama gestern in Tokio bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

Panasonic will wie Sony ein laufendes Reformprogramm verschärfen und plant nun die Schließung von 27 Fabriken. Weltweit produziert der weltweit größte Konsumelektronikhersteller an 230 Standorten. Von den Entlassungen entfällt rund die Hälfte auf Japan, die andere Hälfte auf den Rest der Welt. Das Sparprogramm soll bis März 2010 abgeschlossen sein, festangestellte Mitarbeiter in Japan will das Unternehmen schonen und statt dessen erst einmal Zeitverträge auslaufen lassen.

Am hartnäckig verfolgten Ziel einer größeren Internationalisierung will das Unternehmen trotz der schlechten Absatzlage im Ausland jedoch festhalten. „Da gibt es kein Zurück mehr, künftig muss ein höherer Anteil unseres Geschäfts im Ausland stattfinden“, sagte Uenoyama. Bisher macht Panasonic 50 Prozent seines Umsatzes im Heimatmarkt Japan, was das vergleichsweise gute Jahr 2008 erklärt. Die weltweite Wirtschaftskrise kommt jetzt erst mit Entlassungswellen beim japanischen Verbraucher an. Ökonomen erwarten, dass in diesem Jahr in Japan 1,5 Mio. Menschen ihren Job verlieren. Im September sanken die privaten Ausgaben bereits um knapp fünf Prozent. Ein Hersteller von großen Flachbildschirmen oder umweltfreundlichen Waschmaschinen leidet darunter besonders: An teuren Elektrogeräten lässt sich kurzfristig gut sparen.

Firmenchef Fumio Ohtsubo will nun – wie viele seiner Kollegen in Japans Industrie – die Krisenstimmung nutzen, um eine Generalüberholung seiner Organisation durchzuziehen. Er spricht schon länger davon, den Mischkonzern auf seine besonders profitablen Sparten zu reduzieren. Panasonic stellt von Chips über Batterien für Elektroautos bis zu hin zu Computern, Audioanlagen, Kameras, Brennstoffzellen oder Klimaanlagen so ziemlich jedes Produkt her, das sich mit Strom betreiben lässt. Bei einem Jahresumsatz von etwa 80 Mrd. Euro beschäftigt das Unternehmen derzeit noch 305 000 Mitarbeiter.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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