Japan: Sharp steckt Energie in Solargeschäft

Japan
Sharp steckt Energie in Solargeschäft

Sharp setzt immer stärker auf das Geschäft mit Solarzellen. Das Geschäft mit Ihnen hat sich offenbar auch in der Wirtschaftskrise stabil gezeigt. Nun zieht der japanische Elektrohersteller den Produktionsbeginn in seiner neuesten Fabrik bei Osaka um mehrere Monate vor.

TOKIO. "Wir bemühen uns, vor März 2010 fertig werden und prüfen, ob wir die Anlage in Sakai nicht bereits früher in Betrieb nehmen können", sagte gestern ein Sprecher in Osaka. Bisher war die Eröffnung für die Zeit nach März 2010 geplant. Im vergangenen Sommer hatte Sharp bereits angekündigt, die Herstellungslinien im bestehenden Werk Katsuragi für 170 Mill. Euro so umzurüsten, dass sich damit auch große Grundplatten für Dünnschichtsolarzellen herstellen lassen. Diese gefragte Neuentwicklung spart einen Großteil des Grundstoffs Silizium. Bisher war geplant, mit der Massenproduktion in diesem Segment bis zur Eröffnung der neuen Fabrik in Sakai zu warten.

Die Eile ist geboten, weil die Nachfrage für Solarzellen auch in der Wirtschaftskrise hoch bleibt und die Konkurrenz ebenfalls kräftig investiert. Alle Hersteller, darunter auch Weltmarktführer Q-Cells aus Thalheim, planen für die kommenden Jahre eine Verdopplung der Produktion. Dem Branchendienst PV News zufolge soll der Markt auch in den kommenden Jahre um 30 bis 40 Prozent jährlich wachsen. Q-Cells baut daher derzeit sein erstes Werk außerhalb Deutschlands in Malaysia. 2009 soll die Produktion des ostdeutschen Herstellers das Äquivalent von einer Mio. Kilowatt übertreffen. Der ehemalige Weltmarktführer Sharp liegt derzeit bei 700 000 Kilowatt, hofft aber mit dem Werk in Sakai bis 2010 auf zwei Mio. Kilowatt zu kommen. Es ist erklärtes Ziel des Managements, Q-Cells wieder einzuholen. Sharp hat dazu mit dem italienischen Kraftwerksausrüster Enel in Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das den Vertrieb in Europa erleichtern soll. Weltgrößter Absatzmarkt ist die EU mit ihren zahlreichen nationalen Förderprogrammen für erneuerbare Energie. Sharp macht jährlich rund 25 Mrd. Euro Umsatz und stellt neben Solarzelle eine breite Palette von Elektroprodukten her, darunter Flachfernseher oder Handys. In dem geplanten Werk in Sakai sollen Flüssigkristallpanele für Fernseher parallel zu Solarzellen entstehen. Die Rohstoffe wie Glasplatten und Silizium sowie die Handhabung ähneln sich, so dass Einsparungen möglich sind, wenn auch nur in begrenztem Umfang. Von der Herstellungseffizienz und der Umweltbilanz her preist Sharp das Werk Sakai als das Modernste seiner Art an, obwohl vergleichbare deutsche Anlagen ihm kaum nachstehen dürften. In Europa will Sharp zusammen mit Enel Dünnschicht-Solarzellen produzieren, die ein gemeinsames Problem der Branche umgehen: die Neuentwicklungen benötigen nur noch ein Prozent des mitunter teuren Rohstoffs Silizium. Auch auf dem Heimatmarkt darf Sharp wieder auf stärkeren Absatz hoffen. Nachdem 2006 ein Solardach-Programm ausgelaufen war, fielen die Verkaufszahlen auf einen Bruchteil des vorherigen Niveaus. Von den jüngst verabschiedeten milliardenschweren Konjunkturprogrammen sollen nun jedoch auch Umwelttechniken wieder stärker profitieren. Ein einheitlicher Standard für Solarzellen an Einfamilienhäusern soll zudem die Installation vereinfachen und zumindest bei Neubauten zur Routine werden lassen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%