Japan
Verwöhnte Sparsamkeit

Trotz der Krise machen deutsche Luxushersteller in Japan gute Geschäfte mit Schuhen oder Uhren. Sie profitieren davon, dass der Japaner im Durchschnitt anders spart als der Deutsche. In Tokio gehört derjenige zu den Gewinnern, der den Nerv der Verwöhnung trotz Sparsamkeit trifft.

TOKIO. Draußen herrscht Krise, drinnen heben die Gäste ihre Champagnergläser. "Wir hatten erwogen, uns wegen der Umstände in der Weltwirtschaft aus dem Projekt zurückzuziehen", gibt Sebastian Bär seinen Gästen gegenüber zu. Ein Rückzieher wäre organisatorisch kein größeres Problem gewesen, sagt der Japan-Chef der Bär GmbH. Das Familienunternehmen entschied sich jedoch, weiterzumachen - und eröffnete vergangene Woche in einem Tokioter Luxusviertel einen neuen Schuhladen. "Wir setzen darauf, dass es weiterhin viele Japaner gibt, die sich unsere Schuhe leisten wollen, vor allem in der Altersgruppe, die wir ansprechen", sagt Bär.

Das Geschäft liegt im Stadtteil Aoyama auf der zweiten Etage des nagelneuen Einkaufstempels "Ao", dessen extravagante Architektur sofort auffällt: Die 16 Stockwerke schwingen sich schwerelos über die anderen eleganten Gebäude der Gegend hoch, eine Kante ist schräg nach innen abgeschnitten, als bräuchten die oberen Stockwerke keine Unterstützung. In dem nach vorne offenen Laden, gestaltet in zurückhaltendem Grün und Holz, reihen sich nun bequeme Schuhe aus Deutschland. Das Paar kostet bis zu 300 Euro.

Japan leistet sich noch etwas, auch in der Krise. Die Wirtschaftswissenschaft hat dafür den Begriff "Verwöhnung trotz Sparsamkeit" erfunden. "Ich denke, dass die japanischen Konsumenten im Durchschnitt mehr Neigung zur ?verwöhnenden Sparsamkeit? haben als die deutschen Konsumenten", sagt Florian Kohlbacher vom Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio. Die Japaner scheinen systematisch zu sparen, um sich an anderen Enden noch etwas leisten zu können. Der Wirtschaftswissenschaftler verweist auf das Phänomen des Verleihs von Luxustaschen. "Auch wenn man sich den Kauf nicht mehr leisten kann, so gönnt man sich doch für bestimmte Anlässe eine Luis Vuitton Tasche, aber dann eben aus dem Verleih."

Die Interessenten, zu 100 Prozent junge Frauen, können sich auf der Website www.cariu.jp eintragen, um am Handtaschenverleih teilzunehmen. Im Angebot: Chanel, Hermes, Gucci, Prada, Fendi und die anderen großen Namen. Derzeit gebe es eine Warteliste, sagt der Betreiber. "Die Nachfrage ist enorm, wir kommen nicht hinterher und kaufen laufend neue Taschen zu." Die Kundinnen wüssten es auch zu schätzen, je nach Gelegenheit mit Taschen unterschiedlicher Marken auftreten zu können.

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