Japan wagt wieder Luxus
Es darf ein bisschen mehr sein

Eine Uhr für 12.000 Euro? Warum nicht? Edle Kosmetik? Sowieso. Trotz Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe leisten sich die Japaner wieder Luxusgüter. Und das hat verschiedene Gründe.

TokioSchlichte Eleganz außen, Millimeter-Handarbeit innen - und stolze Preise. Das beschreibt die Uhren der Manufaktur Lange & Söhne aus Glashütte. Die billigste liegt bei 12.400 Euro, die teuerste bei 385.000 Euro. Und doch finden sie reißenden Absatz im Land der aufgehenden Sonne. „Alle neuen Modelle für 2011 sind bereits komplett an den Endkunden verkauft“, sagt Japan-Chef Peter Kesselmann. „Und unser Flagship-Store liegt im laufenden Geschäftsjahr etwa 50 Prozent über den selbst gesteckten Zielen.“

Was Kesselmann beschreibt, ist eine Erholung des Luxusmarkts in Japan - trotz Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe. Das gilt nicht nur für teure Uhren. Auch im Schmuck- und Kosmetikbereich oder bei den Autos wächst der Umsatz im High-End-Bereich. Während es bei Lange & Söhne schon mit Beginn des neuen Geschäftsjahrs, ab April, weiter bergauf geht, weisen etwa die Zahlen der Juweliere und Galerien seit Mai nach oben. Im Mai lag das Verkaufsplus bei 7,5 Prozent, im Juni sogar teilweise darüber.

Wie die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtet, konnte etwa das bekannte Kaufhaus Daimaru Matsuzakaya 11,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ausweisen. Im Kosmetikbereich bestätigt man bei Kanebo, Nummer zwei im japanischen Markt, den Trend. „Wir spüren den Aufwind im Luxussegment vor allem im Make-up-Bereich, bei unserer Prestigemarke Lunasol“, sagt Shinji Yamada, PR-Manager International. Die verzeichne in den Monaten April bis Juli im Vergleich zum Vorjahr eine prozentuale Steigerung im zweistelligen Bereich.

Selbst in den von Tsunami und Erdbeben schwer getroffenen Gebieten scheinen die Luxushersteller von einer Erholung des Marktes auszugehen. So haben dort Louis Vuitton, Cartier und Tiffany schon Ende März nahezu die Hälfte ihrer Läden wieder eröffnet.

Warum der Luxusmarkt in Japan, der derzeit vereinzelt auf 17 Milliarden Euro taxiert wird, wieder an Kraft gewinnt, dafür gibt es viele Erklärungen. Fest steht, dass Japans Haushalte noch immer recht hohe Ersparnisse horten - und die kommen nun wieder zum Einsatz. Offenbar ist der Trend zu billigen Waren vorbei. Nach einer Untersuchung von McKinsey verspürten bereits 2010 mit zwölf Prozent deutlich weniger Befragte „nicht mehr die Notwendigkeit, Luxusmarken zu kaufen, weil preisgünstigere modisch genug sind“. 2009 waren es noch 21 Prozent.

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