Japaner stoppen heimische Produktion

Toyotas Motor stottert

Eine Explosion in einem Stahlwerk macht Toyota zu schaffen. Der Autobauer stellt vorübergehend die Produktion in Japan ein, weil Spezialstähle fehlen. Wie lange stehen die Bänder des VW-Konkurrenten still?
Eine Explosion in einem Stahlwerk stoppt die Autoproduktion in Japan. Quelle: dpa
Toyota Konzeptauto S-FR

Eine Explosion in einem Stahlwerk stoppt die Autoproduktion in Japan.

(Foto: dpa)

TokioJust-in-time ist günstig, aber nicht alles. Das zeigt sich jetzt bei Toyota. Eine Explosion in einem japanischen Stahlwerk bringt jetzt die Autoproduktion des Landes zum Stillstand. Der globale Branchenprimus Toyota kündigte am Montag an, vom 8. bis zum 13. Februar seine gesamte Produktion in Japan zu stoppen. Denn durch die Störung in einem Werk von Aichi Steel fehlen dem Unternehmen Spezialstähle für Motoren, Getriebe und Teile des Chassis.

Der Produktionsstopp ist für Toyota besonders heikel. Denn das Unternehmen stellt etwa 40 Prozent seiner Jahresproduktion von zehn Millionen Autos daheim her. Dies ist deutlich mehr als beim Renault-Partner Nissan oder bei Honda. Außerdem sind Autos wie Toyotas Hybridflaggschiff Prius betroffen.

Dennoch stieg die Toyota-Aktien am Montag um 1,9 Prozent. Denn die Anleger erwarten anscheinend keine negativen Auswirkungen auf die Bilanz des bis Ende März laufende Geschäftsjahrs. Fünf Produktionstage holt Toyota rasch wieder auf. Zudem widersprach der Konzern mit seiner dürren Presseerklärung ersten Befürchtungen, dass Toyotas japanische Arbeiter länger unfreiwillig pausieren müssen.

Offenbar zahlt sich aus, dass Japans Autokonzerne inzwischen Übung bei Nachschubproblemen haben. 2007 standen in Japans Autoindustrie alle Räder still, weil ein Erdbeben in der entlegenen Präfektur Niigata den Zulieferer Riken stoppte, der alle Hersteller mit Kolbenringen versorgte. Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung machten ihn die Autobauer rasch wieder flott.

Vor fast genau fünf Jahren stellte dann die Tsunami- und Atomkatastrophe die gesamte Industrie vor eine noch größere Herausforderung. Für Wochen standen die Bänder in den Fabriken still. Zuerst war befürchtet worden, dass die Wiederherstellung der Lieferkette Monate benötigen würde. Doch die Autohersteller und die Zulieferer kooperierten, um die Bänder schneller wieder zum Laufen zu bringen: Am Jahresende war der Produktionsrückstand so gut wie wettgemacht.

Die außergewöhnlichen Modelle des Akio Toyoda
Das neue Toyota-Gen, Teil 1: Toyota GT86
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2011 prägte Konzernchef Akio Toyoda einen Satz, der von nun an für Toyotas stehen soll: „Wenn es keinen Spaß macht, ist es kein Auto.“ Emotionale Autos vom Experten für Biedermänner - für Toyota läutete er damit eine Kulturrevolution ein. Das erste Modell, das die neuen Gene verkörperte, war der schnittige Sportwagen Toyota GT86, der an Toyotas altes Sportmodell 86 erinnern sollte. 

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Er ist zwar nicht irrsinnig schnell, aber dafür sehr preiswert. Doch die manuelle Gangschaltung, der tiefe und mittige Schwerpunkt und vor allem die Möglichkeit, Fahrassistenten auszuschalten, machen Fahren mit ihm zu einem sinnlichen Vergnügen, wie unser Korrespondent auf Japans Bergstraßen selbst erfahren konnte. Interessanterweise griff Toyoda bei der Entstehung seines Traums massiv auf die Expertise und Motoren von Subaru zurück. Viele Tester nannten das Auto daher Toyobaru. Offenbar verstanden Toyotas Ingenieure damals noch nicht, was genau ihr neuer Chef von ihnen verlangte.

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Der Lexus GS ist Toyotas Antwort auf die E-Klasse von Mercedes oder den 5er BMW. Aber erst nachdem Toyoda Chef wurde, näherte sich die Oberklasselimousine dem Anspruch an. Mit dem Sportwagen GT86 stellte Toyoda die neue GS-Generation vor, die sich nicht nur deutlich knackiger fuhr als die vorige Dschunke, sondern auch das neue Antlitz der Marke Lexus einführte: den markanten Spindelgrill. Seither wird Lexus mit jedem Modell schnittiger und schärfer gezeichnet. Auch wenn man es in Deutschland nicht merkt: Nach Jahren des Scheiterns mausert sich Lexus durchaus zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber. 

Gib Wasserstoff – Toyota Mirai
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Die Elektroautos sind noch gar nicht richtig im Markt angekommen, da schiebt Toyota schon die nächste vermeinlich emissionsarme Antriebstechnik in den Markt: das Brennstoffzellenauto, das Strom aus der Verbindung von Wasser und Sauerstoff gewinnt und nur Wasser aus dem Auspuff dampft. In Japan und bald auch in Übersee wird der Toyota Mirai angeboten. Er ist das erste großserientaugliche reine Brennstoffzellenauto der Welt (Hyundai bietet einen SUV auch mit Brennstoffzelle an).

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Das Auto ist nicht nur markant ins Blech gepresst, sondern soll auch auf der Straße Eindruck schinden. Akio Toyoda hat das Modell daher voriges Jahr höchstspersönlich auf einer Rally in Japan über die Piste gehetzt und später das Fahrerlebnis mit einem gehobenen Daumen geadelt.

Die Wiedergeburt des Kabinenrollers – Toyota i-Road
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Ein Spaßmobil der metropolitanter Mikromobilität könnte ein Dreirad von Toyota werden, der elektrische Kabinenroller i-Road. Es erinnert mit seinen zwei Rädern vorne, einem Rad hinten und seiner Neigetechnik ein bißchen an dreirädrige Motorräder, fährt sich aber ganz anders. Denn im Gegensatz zu den Bikes wird nicht mit den Rädern vorne gelenkt, sondern mit dem Hinterrad.

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Kurvenfahrten fühlen sich damit wie rasantes Skaten an. Zudem kann man fast auf der Stelle wenden. In Grenoble und Tokio testet Toyota die Vehikel bereits im Straßenverkehr, um über eine Markteinführung zu entscheiden.  Reichweite und Geschwindigkeit des kleinen Stadtflitzers sind zwar nicht berauschend - aber für kurze Strecken reicht es.

Die Lehren zahlen sich offenbar auch dieses Mal aus. Eine Explosion in einem Werk des Konzerns Aichi Steel, an dem Toyota ein Drittel der Aktien hält, hat zwar einen Stahlofen getroffen. Die Reparaturen werden nach Aussage des Unternehmens wohl bis Ende März dauern. Aber Toyota erwägt nun, andere Produktionslinien des Stahlwerks zu nutzen und kurzfristig Stahl von anderen Herstellern zu beziehen.

Dies könnte auch gelingen. Denn die Stahlhersteller haben nach der Katastrophe von 2011 beschlossen, sich bei Krisen gegenseitig zu helfen. Wenn es klappt, kommt Toyota wieder einmal ohne bleibenden Schaden davon. Ziehen allerdings Wochen bis zum Anlaufen der Bänder ins Land, wird sich die Explosion in dem Stahlwerk auch in der Quartalsbilanz bemerkbar machen.

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