Japanischer Reifenhersteller gilt als heimlicher Sieger des Rennens in Indianapolis
Bridgestone profitiert vom Formel-1-Desaster

Der japanische Reifenhersteller Bridgestone hat im Prestigeduell mit dem Konkurrenten Michelin nach dessen überraschenden Formel-1-Desaster wieder Punkte gut gemacht. Die Überlegenheit der Franzosen in dieser Saison hatte zuletzt deutlich am Image der Japaner gekratzt, die in dieser Saison für die Misserfolge von Ferrari verantwortlich gemacht wurden.

hz FRANKFURT/M. Doch seit dem Wochenende stehen plötzlich die erfolgsverwöhnten Franzosen am Pranger. Nun muss sich Michelin für seine Entscheidung rechtfertigen, den Rennteams mit Michelin-Reifen aus Sicherheitsgründen von der Teilnahme am Rennen abzuraten. „Wir stehen zu unserer Verantwortung“, sagte Michelin-Wettbewerbsdirektor Pierre Dupasquier. „Wir müssen zuverlässiges Material liefern.“

Am Sonntag war dies offenkundig nicht der Fall. Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen mussten ein Geisterrennen verfolgen, weil sieben Formel-1-Teams nicht zum Start antraten, darunter Mc Laren-Mercedes, BMW-Williams und Toyota. Die Franzosen sahen sich zu diesem Schritt gezwungen, nachdem vermutlich ein Reifenfehler am Freitag zu einem schweren Unfall des Formel-1-Piloten Ralf Schumacher geführt hatte. Bibendum, so der Name der rundlichen Werbefigur von Michelin, steht nun mit einem angekratzten Sicherheitsimage da, auch wenn die hochspezialisierten Formel-1-Reifen nichts mit den herkömmlichen Gummis auf der Straße zu tun haben. „Wenn im prestigeträchtigen Formel-1-Zirkus 14 Fahrzeuge wegen Michelin nicht starten können, ist das natürlich sehr imageschädigend“, sagte Auto-Analyst Rolf Woller von der Hypo-Vereinsbank. Langfristige Auswirkungen befürchtet er allerdings nicht: „Das Debakel ist sofort wieder vergessen, wenn Kimi Räikkönen oder Fernando Alonso das nächste Rennen auf Michelin-Reifen wieder gewinnen.“

Für Michelin steht viel auf Spiel. Längst ist die WM nicht nur ein Titelkampf zwischen Fahrern, Rennställen und Automobilherstellern, sondern auch ein Duell der Reifenproduzenten. Während der japanische Hersteller Bridgestone sich auf das Weltmeister-Team Ferrari konzentriert und ansonsten nur noch die Hinterbänkler Jordan und Minardi beliefert, hat der französische Konkurrent gleich sieben Teams unter Vertrag - darunter die Titelkandidaten McLaren-Mercedes und Renault. Vor dem Großen Preis der USA hatten die ersten acht Saisonrennen ausschließlich Autos mit Michelin-Reifen gewonnen.

Für den viel gescholtenen Konkurrenten Bridgestone sind die Probleme der Franzosen deshalb Balsam auf den Wunden. Die Japaner schweigen seitdem - und genießen. Ein Unternehmenssprecher wollte die Probleme der Konkurrenz nicht kommentieren. Im Heimatland von Michelin gibt man sich dagegen weniger zurückhaltend: „Es ist sicher, dass diese Affäre für Michelin schwerwiegende Folgen haben wird“, schreibt die Zeitung Le Figaro. Auch die Börse machte sich bereits ihren Reim auf das Skandalrennen. Die Aktie von Michelin geriet Anfang der Woche an der Pariser Börse unter Druck, fing sich jedoch gestern wieder und machte die Verluste weitgehend wett.

Der in Clermont-Ferrand ansässige Michelin-Konzern war erst 2001 wieder in den Rennzirkus eingestiegen, kam aber seitdem an Bridgestone und Ferrari nicht vorbei. Der Reifenhersteller lässt sich sein Engagement schätzungsweise 60 Mill. Euro jährlich kosten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%