Jeder sechste Mitarbeiter wird durch einen Automaten ersetzt
Siemens kündigt 340 Handy-Werkern

Siemens hat die Mitarbeiter des Kamp-Lintforter Handywerks am Montag darüber informiert, dass 340 von ihnen zum Jahresende gekündigt wird - das wäre jeder sechste der 2000 Beschäftigten. Dies geschieht nur einen Monat vor der Übergabe an den neuen Eigentümer Benq.

der DÜSSELDORF. "Die Entlassungen haben mit der Übergabe der Handy-Sparte an Benq nichts zu tun", sagte ein Siemens-Sprecher am Dienstag Handelsblatt.com. Der Stellenabbau sei schon Ende 2003 beschlossen und in einem Ergänzungstarifvertrag festgeschrieben worden. Ob Siemens sich vertraglich gegenüber Benq verpflichtet habe, die Maßnahme noch kurz vor der Übergabe an den neuen Eigentümer durchzuziehen, wollte der Sprecher nicht sagen.

Die nordrhein-westfälische IG Metall bestätigt, dass Siemens bereits 2003 angekündigt hatte, einfache Tätigkeiten in der Fertigung und im Versand durch Automation ersetzen zu wollen. Der Zeitpunkt, zu dem Siemens das damals beschlossene umsetzt, hat die Gewerkschaft aber überrascht. "Die wollen wohl einen klaren Schnitt machen vor der Übergabe an Benq", mutmaßt Sprecher Wolfgang Nettelstroth. Inwieweit Benq hinter der Entscheidung stecke, konnte er nicht sagen: "Es ist nicht klar erkennbar, wer in der Handysparte momentan das Ruder in der Hand hat."

Bis zum Ende des Siemens-Geschäftsjahres 2004/2005 am 30. September ist die Handysparte offiziell noch Teil des deutschen Konzerns, ab 1. Oktober gehört sie dem taiwanesischen Elektronikunternehmen Benq. Siemens hatte den Verkauf Anfang Juni bekannt gegeben. Die Handyproduktion macht seit langer Zeit Verluste, weshalb der zum Jahresanfang angetretene Konzernchef Klaus Kleinfeld sich zur Trennung entschlossen hatte.

Die Entlassungen verstoßen selbst nach Ansicht der IG Metall nicht gegen den im Juni 2004 geschlossenen Beschäftigungssicherungsvertrag für das Werk Kamp-Lintfort. Damals hatten Unternehmen und Gewerkschaft sich darauf verständigt, die von der Verlagerung nach Ungarn bedrohte Produktion in Deutschland zu halten. In dem Vertrag stehe allerdings nicht, räumt IG-Metall-Sprecher Wolfgang Nettelstroth ein, dass niemand entlassen werden dürfe, wenn etwa wie im vorliegenden Fall eine Automatisierung der Fertigung dies erfordere.

Was mit den 340 Mitarbeitern geschieht, die gehen sollen, ist derzeit noch unklar. Ende Dezember sollen sie nach den Siemens-Planungen aus dem dann bereits von Benq geführten Unternehmen ausscheiden und zum 1. Januar in einer Beschäftigungsgesellschaft wechseln. Dort würden sie ein Jahr lang einen Großteil ihres derzeitigen Lohnes beziehen. "Die Gespräche darüber fangen jetzt erst an", sagt Nettelstroth.

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