Jens Odewald
Die letzte Schlacht um Saargummi

Der Finanzinvestor Odewald & Compagnie hat Schwierigkeiten mit seinem Investment Saargummi. Sogar eine Enteignung scheint möglich. Damit hätten wohl auch die Mitarbeiter kein Problem - denn die wollen sich nicht mehr von ihrem Arbeitgeber auspressen lassen.
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DÜSSELDORF. Demonstrationen, Existenzangst, Gefahr eines Totalverlustes. Bei Saargummi tobt eine erbitterte Schlacht um die Zukunft des Automobilzulieferers mit 4000 Mitarbeitern und rund 400 Mio. Euro Umsatz. Fast verzweifelt versucht derzeit die vom Berliner Finanzinvestor Odewald & Compagnie eingesetzte Geschäftsführung, erneut die Kosten zu drücken. Die Mitarbeiter fühlen sich ausgepresst bis aufs Blut. Nun haben sie einen unerwarteten Verbündeten gefunden: die kreditgebenden Banken.

Nach Informationen des Handelsblatts hat das Bankenkonsortium unter Führung der Landesbank Baden-Württemberg die Macht, den Finanzinvestor innerhalb weniger Tage praktisch zu enteignen. In einer als vertraulich gekennzeichneten Vereinbarung mit den Banken hat sich Saargummi verpflichtet, 2010 eine Reihe von "operativen Meilensteinen" zu erreichen. Außerdem sind für 2010 und 2011 genaue Ergebnisvorgaben genannt. Als dritte Vorschrift muss Saargummi ein Liquiditätspolster von mindestens fünf Mio. Euro vorhalten.

Sobald die Liquidität diesen Wert zehn Banktage in Folge unterschreitet, fallen drei Viertel der Firmenanteile an eine Treuhandgesellschaft. Deren Aufgabe: die sofortige Veräußerung von Saargummi. Nach Angaben von Betriebsräten und Gewerkschaft schwebt das Unternehmen aktuell ständig in Gefahr, den Wert von fünf Mio. Euro zu unterschreiten. Als nächstes Schicksalsdatum gilt der 15. November, der Tag, an dem für die Arbeiter das Weihnachtsgeld fällig wird. Die Angestellten folgen zwei Wochen später - insgesamt müssen zwei Mio. Euro ausgezahlt werden. Ein Sprecher von Saargummi wollte sich auf Anfrage nicht zur Höhe des Liquiditätsbestandes äußern. Auch Odewald & Compagnie wollte dessen Höhe nicht nennen. Über seinen Anwalt ließ der Fonds lediglich mitteilen, die Liquidität sei gesichert.

Fest steht, dass die Geschäftsführung von Saargummi derzeit versucht, quasi mit der Brechstange weitere Kosten einzusparen. Nachdem die Mitarbeiter bereits in den vergangenen Jahren massive Einschnitte hinnehmen mussten, laufen nun erneut Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag. Zur Debatte stehen nach Angaben von Verhandlungsführer Ralf Sikorski von der Gewerkschaft IG BCE längere Arbeitszeiten, weniger Lohn und weniger Urlaub, insgesamt eine Kürzung der Personalkosten um 20 Prozent.

Über diese Punkte zeigte sich der Betriebsrat verhandlungsbereit. Als sie dann jedoch hörten, dass von den ursprünglich 1 000 Arbeitsplätzen am Stammsitz in Büschfeld nur 400 beim Unternehmen bleiben sollen, sahen die Mitarbeitervertreter die Schmerzgrenze überschritten. "Uns reicht es", sagte einer von ihnen dem Handelsblatt. "Ehe wir uns von Odewald weiter auspressen lassen, geben wir das Unternehmen lieber an die Banken."

Für Odewald & Compagnie wäre diese Wendung ein Desaster. Der vom ehemaligen Kaufhof-Chef Jens Odewald gegründete Finanzinvestor erwarb Saargummi Ende 2007 für 262 Mio. Euro vom Münchener Finanzinvestor Orlando. Odewald wollte auf Anfrage nicht angeben, wie viel Eigenkapital der Investor dafür aufbrachte. Laut der Internetseite investiert Odewald pro Übernahme zwischen 20 und 100 Mio. Euro Eigenkapital.

Wenn die Belegschaft nun ernst macht und weitere Sparprogramme ablehnt, müsste Odewald gegebenenfalls Geld nachschießen, um einen Totalverlust zu vermeiden. Der Finanzinvestor müsste sich bei der Verteilung des Verkaufserlöses durch den Treuhänder ganz hinten anstellen. Bevor Odewald seine Ansprüche geltend machen könnte, würden zunächst alle anderen Kreditgeber bedient.

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  • Jens Odewald ist ein alter Mann, der von Wirtschaft herzlich wenig versteht und schon immer vor allem ein Selbstdarsteller war. in seinem Tross arbeitet übrigens auch Ernst-Moritz Lipp, ein prominenter Versager aus dem Hause "Dresdner bank". Auch er versteht als "Volkswirt" herzlich wenig vom Geschäft. Außerdem vermute ich, daß die Odewald-Private Equity-Gruppe erhebliche Refinanzierungsprobleme hat und selbst die "Pleite" vor Augen hat. Deshalb: Daß bei Saargummi Odewald rausgedrängt werden soll, hätte schon viel geschehen sollen. Eine ähnliche Situation gibt es auch bei der Odewald-Tochter "Oystar", einem ehemaligen iWKA-Ableger.

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