Jetzt auch Debatte um Managergehälter - Weiter Streit um Arbeitszeit
Top-Manager sollten gutes Beispiel geben

In der wochenlangen Diskussion um längere Arbeitszeiten und Einschnitte für Arbeitnehmer in Deutschland rücken nun auch die Millionengehälter der Spitzenmanager in den Mittelpunkt. Politiker verschiedener Parteien riefen Vorstände auf, als Signal an die Belegschaft auf einen Teil ihrer Einkommen zu verzichten.

HB HAMBURG. Medienberichten zufolge bietet der DaimlerChrysler-Vorstand um Konzernchef Jürgen Schrempp einen Einkommensverzicht von bis zu zehn Prozent an. Die Debatte um Vorzüge und Nachteile längerer Wochenarbeitszeiten geht unvermindert weiter.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und stellvertretende SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte in der „BILD am Sonntag“ mit Blick auf entsprechende Maßnahmen des Lufthansa-Vorstands im Jahr 2001: „Die Manager in den oberen Etagen sollten mit gutem Beispiel vorangehen und so wie bei Lufthansa damals auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. Es wäre ein Signal an die Arbeitnehmer.“ FDP-Chef Guido Westerwelle betonte: „Was man von Arbeitnehmern verlangt, müssen auch Wirtschaftsführer sich selbst zumuten.“ Ähnlich äußerte sich auch CDU-Vize Christoph Böhr. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, die Topmanager müssten in jeder Hinsicht ein Vorbild sein.

SPD-Chef Franz Müntefering lieferte sich einen Schlagabtausch mit der Arbeitgeberseite. Die Konzernchefs wollten die Gunst der Stunde nutzen, um die Arbeitnehmer zu knebeln, sagte er der „Berliner Zeitung“. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, warf ihm daraufhin im „Tagesspiegel“ (Montag) Industriefeindlichkeit vor.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters kritisierte die Topmanager erneut scharf: „Sie glauben, die Probleme ausschließlich in den Griff zu kriegen, indem sie die Arbeitnehmer auspressen wie eine Zitrone.“ Schrempp und seine Vorstandskollegen hätten einen Gehaltsverzicht von bis zu zehn Prozent angeboten, berichteten die „BILD am Sonntag“ und die „Berliner Morgenpost“. Die Schätzungen über Schrempps Jahresgehalt reichten dabei von 7,5 bis 10,8 Millionen Euro.

DaimlerChrysler will bei neuen C-Klasse von 2007 an 500 Millionen Euro pro Jahr einsparen und droht mit der Verlagerung der Produktion von Baden-Württemberg nach Bremen und Südafrika.

Unterdessen wird weiter pro und contra längere Arbeitszeiten argumentiert. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) lehnte eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit ab. Längere Arbeitszeiten und kürzerer Urlaub führten nicht zu mehr Beschäftigung, sagte der Leiter des Forschungsbereichs Konjunktur des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, Eugen Spitznagel, der dpa.

Die IG Metall betonte, dass sie sich in den Verhandlungen mit Siemens nicht auf die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche in weiteren Unternehmensteilen einlassen werde. „In Bayern wird es keine Regelung wie in Bocholt und Kamp-Lintfort geben“, sagte Bezirkschef Werner Neugebauer der dpa. In den beiden nordrhein-westfälischen Werken wurden längere Arbeitszeiten für 4000 Beschäftigte eingeführt, nachdem mit der Verlagerung der Produktion nach Ungarn gedroht wurde.

Die Einigung brachte die Debatte um die 40-Stunden-Woche in Fahrt.

Prominente Wirtschaftsvertreter forderten mehr Raum für betriebliche Bündnisse. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun sagte in der „Welt am Sonntag“, die Diskussion bei DaimlerChrysler zeige, unter welchem Druck der Standort Deutschland stehe, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Betriebliche Vereinbarungen wie bei Siemens müssten auch ohne Öffnungsklausel im Tarifvertrag möglich sein. Auch VDMA-Präsident Diether Klingelnberg plädierte dafür, künftig Lösungen vor Ort auszuhandeln. Kannegiesser betonte in der „Mittelbayerischen Zeitung“, es gehe nicht um eine pauschale Arbeitszeitverlängerung, sondern individuelle Lösungen.

Deutsche Hausgeräte-Hersteller wie Bosch Siemens und AEG forderten die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche in ihrer Branche. Dies würde Überlegungen über eine Verlagerung ins Ausland verändern, sagte der Geschäftsführer bei der Bosch Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), Wolfgang Dowie, dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

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