Joachim Herz wechselt das Lager im Aktionärskreis
Tchibo-Miteigner will Ausverkauf stoppen

Joachim Herz, Großaktionär der Hamburger Kaffeedynastie, scheut die Öffentlichkeit. Doch angesichts des drohenden Ausverkaufs beim Hamburger Familienkonzern Tchibo Holding AG meldet sich der Großaktionär zu Wort. Der Grund: Er will ein Auseinanderbrechen der Hamburger Familiendynastie verhindern.

beu/lip HAMBURG. Der Streit dreht sich um eine Option der Tchibo-Holding, die Anteile seines älteren Bruders Günter Herz und seiner Schwester Daniela Herz-Schnoekel für gut 4 Mrd. Euro zu kaufen. Die Hauptversammlung entscheidet am 18. August, ob der langjährige Tchibo-Vorstandschef Günter und seine Schwester aus dem Kreis der Aktionäre herausgedrängt werden. Tchibo würde dann den Brüdern Michael, Wolfgang und Joachim sowie der Mutter Ingeborg Herz gehören. Joachim Herz, der 14,5 % an der Tchibo-Holding hält, will die Übertragung des Eigentums nun notfalls mit Hilfe des Gerichts verhindern. Nach seinen Angaben ist der Verkaufsvertrag, den Günter und Daniela unterzeichnet haben, juristisch angreifbar. „Er hat nicht zu verstehende Formmängel“, sagte Herz. „Die Eigentumsübertragung wäre damit nicht rechtskräftig.“

Hintergrund des Familienzwists sind Meinungsverschiedenheiten über das Schicksal des Anteils, den Tchibo an Beiersdorf hält. Joachim Herz fürchtet, dass die 30,1 % an dem Nivea-Hersteller nach dem Ausscheiden seiner beiden Geschwister auf Betreiben seines Bruders Michael Herz abgestoßen werden. Denn Tchibo brauchte nach der Auszahlung von Günter und Daniela dringend frisches Kapital.

Wahrscheinlicher Käufer der Beiersdorf-Anteile wäre der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G). Dieser hatte Anfang des Jahres die Darmstädter Wella AG geschluckt. Sollte es zum Verkauf an P&G kommen, droht der Hamburger Beiersdorf nach Einschätzung von Joachim Herz die Zerschlagung. Der Hansestadt gingen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verloren. Das will er verhindern.

Bisher war Joachim eher dem Kreis der Mehrheitsaktionäre um Michael zugeordnet worden, der jetzt aber zum Beiersdorf-Verkauf tendiert. Gelingt es Joachim seine Geschwister Günter und Daniela im Konzern zu halten, verfügt die Koalition über einen Anteil von 54,5 % an Tchibo und damit über die Mehrheit, um den weiteren Bestand der Holding zu sichern.

Quelle: Handelsblatt

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