Joe Kaeser löst Löscher ab
Jetzt kommt ein „echter Siemensianer“

Finanzchef Joe Kaeser leitet ab morgen Siemens. Er löst Peter Löscher ab, der nicht lieferte, was er versprach. Auch die jüngsten Zahlen sind schlecht. Kaeser muss vieles besser machen, um Löschers Schicksal zu entgehen.
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MünchenUnd dann geht alles ganz schnell: Siemens-Chef Peter Löscher ist Geschichte. Derjenige, der jahrelang an seiner Seite die Finanzen des Konzerns betreute, hat ihn vom Thron gestoßen. Joe Kaeser, 56 Jahre alt und pures Eigengewächs des Industriekonzerns. Der Aufsichtsrat habe die Ernennung Kaesers mit Wirkung zum 1. August einstimmig beschlossen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit. Ein Nachfolger für Kaeser werde demnächst benannt, hieß es.

Kaeser dürfte einen weitaus besseren Start als sein Vorgänger haben, wenn er am Donnerstag sein Amt antritt. Löscher war über eine Serie von Rückschlägen und zuletzt über die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten gestürzt. Auch am Tag seines Abgangs musste Siemens abermals einen Gewinneinbruch vermelden. Im abgelaufenen dritten Quartal sei der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf eine Milliarde Euro geschrumpft, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Umsatz ging demnach um zwei Prozent auf knapp 19,3 Milliarden Euro zurück.

Löschers Ablösung galt in den vergangenen Tagen bereits als sicher. Kaeser ist schon seit 33 Jahren im Konzern. "Ein echter Siemensianer", lobt ein Kollege aus der Führungsetage. Als er mit 23 Jahren sein BWL-Studium abschloss, war das Münchener Unternehmen seine erste Anlaufstelle.

Peter Löscher hingegen hatte vor seinem Amtsantritt als Siemens-Chef im Juli 2007 vor allem im Gesundheitsbereich gearbeitet – so leitete er die Gesundheitssparte von General Electric, zuvor war er beim Chemie- und Pharmakonzern Hoechst tätig. Bei Siemens musste er gleich mit den Aufräumarbeiten im Zuge des Korruptionsskandals beginnen.

Auch Kaeser war im Zuge des Schmiergeldskandals beschuldigt worden, von den Bestechungen gewusst zu haben. Er hatte jedoch stets seine Unschuld beteuert und war schließlich unbescholten aus dem Skandal herausgekommen.

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Kommentare zu " Joe Kaeser löst Löscher ab: Jetzt kommt ein „echter Siemensianer“"

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  • 100 Tage sollten auch Herrn Kaeser zugestanden sein bevor sich die Möchte-Gern-Unternehmenslenker der deutschen Stammtische über sein Tun echauffieren. Als guter Kenner des Konzerns, seiner Vergangenheit und seines Innenlebens ist er in meinen Augen derjenige, der HEUTE in der Lage sein könnte, die angesprochene Ruhe in den Konzern zu bringen und den Fokus auf die Themen zu lenken, die für das Unternehmen zukunftserschließend sind. Er hat die gleiche Chance verdient wie P. Löscher, als er vor Jahren Siemens in sehr turbulenten Zeiten leitend übernahm. Ich vermisse noch die Meldung, dass Herr Cromme den Vorsitz des Aufsichtsrates abgegeben hat. Na, wird noch kommen....

  • Hier zeigt sich mal wieder, das die Kaufleute zwar das Sagen haben, aber ohne die Ingenieure letztlich kein Vorankommen möglich ist.
    Hoffentlich beachtet das der Neue, sonst geht es mit SIEMENS ebenso, wie damals mit der AEG!

  • Jetzt kommt ein "echter Siemensianer"

    Ja, schon, aber wieder kein Ingenieur. Siemens läuft schlecht, weil die Technologie nicht mehr stimmt.

    Mal abwarten, sofern Siemens noch soviel Zeit hat.

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