Johannes Feldmayer
Siemens-Vorstand lässt Ämter ruhen

Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer bleibt nach Angaben der Nürnberger Justiz zunächst auf unbestimmte Zeit in Haft. Seine Ämter lässt er vorerst ruhen. Gleichwohl sich die Affäre zuspitzt, hat der Aufsichtsrat seine für den heutigen Mittwoch geplante Sitzung abgesagt. Im Unternehmen brodelt es; nach außen leidet das Image.

HB MÜNCHEN. „Er hat den Ermittlungsrichter gesehen, und es wurde Haftfortdauer angeordnet“, sagte ein Sprecher der Nürnberger Justiz am Mittwoch in Bezug auf Feldmayer. Zur Dauer der Haft machte der Sprecher keine Angaben. Auch wollte er sich nicht äußern, ob eine Flucht- oder Verdunklungsgefahr bestehe.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Siemens-Manager Untreue vor; Feldmayer selbst weist alle Vorwürfe von sich. Dennoch ist er auf eigenen Wunsch erst einmal beurlaubt worden. Feldmayer habe darum gebeten, ihn „aufgrund der aktuellen persönlichen Umstände vorübergehend von seinen Obliegenheiten und Dienstpflichten freizustellen“, teilte die Siemens AG am Mittwoch in München mit. „Diesem Wunsch ist entsprochen worden.“ Seine Aufgaben sollen vorübergehend auf die anderen Mitglieder des Zentralvorstands übertragen werden.

Ursprünglich hatte der Siemens-Aufsichtsrat für den heutigen Mittwoch eine außerordentlichen Sitzung einberufen, doch das Treffen wurde nach Informationen aus dem Umfeld des Technologiekonzerns kurzfristig abgesagt. Auf dem Treffen sollte unter anderem die Ausgliederung des Autozulieferers VDO diskutiert werden, hieß es in Branchenkreisen. „Natürlich wäre es auch um die aktuelle Affäre gegangen.“ Die Absage habe aber nichts mit der Verhaftung des Zentralvorstands Johannes Feldmayer zu tun, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Siemens wollte sich nicht äußern. Auch ein neuer Termin war zunächst nicht bekannt.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ ist auch ein ehemaliger Aufsichtsratschef ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten: Karl-Hermann Baumann, ganz früher Finanzvorstand. Eine Bestätigung für die Ermittlungen steht aber aus. Siemens-Vorstand Feldmayer, Baumann und weitere Führungskräfte sollen nach weiteren Informationen der Zeitung dafür verantwortlich sein, dass der Nürnberger Unternehmer und frühere Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky seit 2001 fast 34 Mill. Euro Beraterhonorare erhalten haben, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen. Bislang war von einer Summe von 14,75 Millionen die Rede.

Verhaftung

Feldmayer war am Dienstag in München im Zuge einer neuen Durchsuchungsaktion verhaftet worden. Damit hat die Siemens-Affäre einen neuen Höhepunkt erreicht. Bislang waren bereits die ehemaligten Vorstände Thomas Ganswindt und Heinz-Joachim Neubürger als Beschuldigte in die Affäre verwickelt, soweit sie sich auf mögliche Unregelmäßigkeiten in der früheren Festnetzsparte Com bezog. Ganswindt saß vor Weihnachten in Untersuchungshaft.

Im Fall Feldmayer geht es jedoch um einen anderen Fall, nämlich das angebliche Kaufen von Betriebsräten. Schlüsselfigur dabei ist der genannte Wilhelm Schelsky. Dieser hatte als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) mit Siemens Verträge über Beratung, Training und Schulungen für Mitarbeiter und Betriebsräte geschlossen. Nachdem Schelsky sich selbstständig gemacht hatte, übernahm er nach früheren Siemens-Angaben auch zahlreiche Outsourcing-Dienstleistungen für das Unternehmen. Unterschrieben wurde der Vertrag den Angaben zufolge von Feldmayer.

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