Joint Venture
Boeing kooperiert mit russischem Titan-Produzenten Avisma

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat mit dem russischen Titanproduzenten VSMPO Avisma ein Joint Venture gegründet. Boeing verspricht sich davon Kostensenkungen beim Bau seines neuen Modells 787 Dreamliner, die Russen sichern sich technologisches Know-how und einen langfristigen Absatzmarkt.

tor/tom NEW YORK/MOSKAU. Titan ist wegen seiner relativ geringen Masse bei hoher Belastbarkeit ein wichtiges Material im modernen Flugzeugbau. Es macht etwa 15 Prozent des Gewichts des Dreamliners aus.

„Von der Zusammenarbeit profitieren beide Firmen“, sagte Kirill Chuiko, Metall-Analyst bei Ural Sib Financial, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Unternehmen sind an dem Joint Venture mit jeweils 50 Prozent beteiligt und werden zunächst jeweils 30 Mill. Dollar in den Aufbau der Titanproduktion investieren. Boeing will in den kommenden 30 Jahren für insgesamt 18 Mrd. Dollar Titan in Russland kaufen. Weitere fünf Mrd. Dollar wollen die Amerikaner für Ingenieurdienste ausgeben.

Das Geschäft ist politisch jedoch nicht unproblematisch. Die US-Regierung hat vor kurzem Sanktionen gegen den russischen Konzern Rosoboronexport wegen Verstoßes gegen das Handelsverbot mit dem Iran verhängt, und ausgerechnet dieser staatliche Rüstungskonzern will bis Ende des Jahres Avisma übernehmen. Den Sanktionsregeln zu Folge kann die USA auch die Einfuhr von Produkten des Konzerns verbieten. In der russischen Presse kreisen daher schon Spekulationen, nach denen der Staatskonzern nicht direkt die Mehrheit an Avisma übernehmen, sondern eine dritte Partei dazwischen geschaltet wird.

„Boeing wird eng mit der US-Regierung zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Kooperation den vor kurzem verhängten Sanktionen genügt“, sagte Mike Cave, der bei Boeing für das zivile Flugzeugprogramm zuständig ist.

Angesichts der politischen Fallstricke hat sich der Konzern auch der Fürsprache von Russlands Präsident Wladimir Putin versichert. Während eines Besuchs des Chefs der zivilen Boeing-Flugzeugsparte Alan Mullaly bei Putin sagte der Kremlchef: „Wir sind bereit, die Entwicklung Ihrer Geschäfte in Russland zu unterstützen.“ Boeing buhlt mit Airbus unter anderem um einen Auftrag der staatlichen Fluggesellschaft Aeroflot und macht sich Hoffnungen, mehr als 20 Dreamliner nach Russland zu verkaufen.

Für den Erzrivalen Airbus ist die russisch-amerikanische Kooperation pikant: Der europäische Flugzeugbauer bezieht nach Angaben von Bloomberg etwa 60 Prozent seines Titans von VSMPO Avisma.

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