Joint Venture
Emmi legt Milchproduktion mit AMV zusammen

Der Milchverarbeiter Emmi reagiert auf den wachsenden Preisdruck in der Schweiz und will seine Milchproduktion mit dem Aargauer Milchverband (AMV) zusammen legen. Das Joint Venture wäre der größte Schweizer Milchverarbeiter.

HB SUHR. Finanzielle Details zu dem Joint Venture wurden nicht bekannt, es sei jedoch kein Bargeld involviert. Emmi dürfte so noch Mittel für die mit dem Börsengang im vergangenen Jahr angekündigte Expansion im Ausland haben, die mit Wellness-Produkten die Rentabilität der Gruppe steigern soll. Die Aktie legte um rund 3,5 % zu.

Emmi und AMV gründen laut Angaben vom Donnerstag die Molkerei Mittelland AG. Emmi wird dabei mit einem Anteil von 60 % die Kontrolle ausüben und ihren Produktionsstandort Luzern in den nächsten drei Jahren schrittweise nach Suhr zu AMV verlegen. Die neue Molkerei soll mit rund 450 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 650 Mill. sfr erwirtschaften. Die Wettbewerbsbehörde muss den Joint Venture allerdings noch genehmigen. Die Milchlieferanten der Aargauer Zentralmolkerei sollen weiter die vereinbarten Preise gezahlt bekommen.

Auf Emmi dürften „nicht übermässige“ Integrationskosten zu kommen, die sich auf das Ergebnis 2006 auswirken sollten, so Emmi-Chef Walter Huber auf einer Pressekonferenz. Die Einsparungen durch die verbesserte Effizienz sieht er bei rund zehn Mill. sfr. Jedoch dürften diese nicht realisiert werden, denn Emmi sieht sich dem Markteintritt von Billig-Discountern in der Schweiz und der allgemeinen Marktöffnung gegenüber und ist so zu Preissenkungen getrieben. Die neue Molkerei-Gesellschaft soll so in erster Linie die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Der Schweizer Markt leide an Überkapazität, Preisdruck aus dem Einzelhandel und einem deutlichen Rückgang des Milchpreises, so Analyst Alain-Sebastian Oberhuber von Lombard Odier Darier Hentsch. Vor diesem Hintergrund sei das Joint Venture sinnvoll. Allerdings zeigte sich Oberhuber überrascht, dass Emmi im Inland expandiert, statt im Ausland. Die Zürcher Kantonalbank monierte zudem, dass nicht das wachstumsstärkere Frischproduktegeschäft, sondern das wachstumsschwache Molkereigeschäft gestärkt werde. „Emmi muss 2005 beweisen, dass das starke Wachstum im Ausland gelingt und muss sich gleichzeitig in einem schwierigeren Preisumfeld im Heimmarkt behaupten“, so ZKB-Experte Patrik Schwendimann.

Mit Emmis neuem Joint-Venture-Partner wird der bäuerliche Einfluss nochmals gestärkt: AMV ist ein Bauern-Verband. Emmi selbst wird auch nach dem Börsengang von Bauern kontrolliert: 58,1 % werden vom Zentralschweizer Milchproduzenten gehalten, der Zentralschweizer Milchkäuferverband hält knapp sechs und der Milchverband Nordwestschweiz gut vier Prozent.

Emmi erzielte 2004 mit Molkereiprodukten wie Milch, Rahm und Butter knapp eine halbe Milliarde sfr Umsatz, der gesamte Umsatz der Gruppe belief sich auf 1,9 Mrd. sfr.

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