Joint Venture mit US-Finanzinvestor
Siemens gibt Mehrheit der Sparte SEN ab

Der Technologiekonzern Siemens gibt die Mehrheit an seiner lang zum Verkauf stehenden Telefonanlagensparte SEN an den US-Finanzinvestor The Gores Group ab. Siemens und Gores gründen eine Gemeinschaftsfirma, an dem das Münchener Unternehmen noch 49 Prozent halten wird.

HB MÜNCHEN. Wie Siemens am Dienstag mitteilte, wird künftig der US-Finanzinvestor The Gores Group bei SEN das Sagen haben. In die neue Gesellschaft werde die auf die Telekommunikationsbranche spezialisierte Gores ihre Töchter Enterasys und SER Solutions einbringen. Zunächst solle der Gores-Manager Mark Stone die Gemeinschaftsfirma leiten.

Siemens-Finanzchef Joe Kaeser stellte in Aussicht, dass sich sein Haus auf längere Sicht ganz aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückziehen werde. "Siemens begleitet den Ausstieg bei SEN durch seinen 49-prozentigen Anteil am Joint Venture. An die strategische Konsolidierung der Branche glauben wir aber weiter."

Die finanziellen Lasten aus der Transaktion dürften Siemens den Gewinn im laufenden vierten Geschäftsquartal massiv verhageln. Die verlustreiche SEN werde schuldenfrei übergeben, zudem erhalte die Sparte eine Kapitalspritze von jeweils 175 Mill. Euro von Gores und Siemens. Kaeser schloss nicht aus, dass die Lasten an eine Milliarde Euro heranreichen könnten. Die seit gut zwei Jahren herbeigesehnte Trennung von der Sparte wird einen "erheblichen finanziellen Einfluss" auf die Konzernbilanz haben, räumte der Finanzchef ein.

Zusammen mit den Kosten für den geplanten Abbau von weltweit knapp 17 000 Stellen könnte bei Siemens im Ende September endenden Quartal kein Gewinn mehr übrig bleiben. Den Börsianern gefiel die hohe Mitgift für den Käufer der Mehrheit nicht: Die Siemens-Aktie verlor 1,7 Prozent auf 71,27 Euro.

Kaeser trat Befürchtungen entgegen, der in Europa bislang weitgehend unbekannte Finanzinvestor könnte SEN in kurzer Zeit ähnlich ruinieren wie einst der Taiwaner BenQ, der die Siemens-Handysparte ein Jahr nach der Übernahme in die Pleite schickte. "Wir haben sehr großen Wert darauf gelegt, das Unternehmen finanziell so auszustatten, um auch unter widrigen Bedingungen Stabilität zu gewährleisten", sagte Kaeser. Siemens hatte im Zuge der zähen Verhandlungen mit mehreren Interessenten SEN herausgeputzt. Immer wieder hatte der Konzern die Sparte abgewertet und den Abbau von weltweit 6800 Stellen eingeleitet. SEN erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 3,2 Mrd. Euro einen operativen Verlust von 602 Mill. Euro.

Mit der Gründung des Joint Ventures greift Siemens auf eine bewährte Methode zurück, seine Probleme mit Sorgensparten weitgehend loszuwerden. Das schlingernde Geschäft mit Telefon- und Datennetzen brachte Siemens 2006 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein, die Computertechnik 1999 in eine gemeinsame Tochter mit der japanischen Fujitsu. Der Vertrag mit Fujitsu steht Kreisen zufolge kurz vor der Kündigung und läuft damit im Herbst 2009 aus.

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