Joint-Venture
Stahlkonzerne wehren sich gegen Erzriesen

Die Stahlindustrie will sich gegen die Zusammenlegung der australischen Eisenerzminen von Rio Tinto und BHP Billiton wehren. Wie der Schulterschluss der Stahlriesen die Angst der Branche vor marktbeherrschender Macht schürt.

LONDON/DÜSSELDORF. „Sollte es dazu kommen, werden wir dagegen bei der Europäischen Kommission vorgehen“, sagte der Präsident des europäischen Stahlverbands Eurofer, Gordon Moffat, dem Handelsblatt. Das geplante Joint-Venture würde nach Einschätzung der Stahlindustrie praktisch ein Duopol auf dem Weltmarkt schaffen und hätte für die Kunden eine ähnliche Wirkung wie die Ende 2008 aufgegebene Vollfusion der beiden Rohstoffkonzerne.

Rio Tinto hatte angekündigt, seine gigantischen Eisenerzminen im Westen Australiens in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten BHP Billiton einzubringen, der in der gleichen Region Eisenerz abbaut. Der gemeinsame Betrieb soll Synergien von zehn Mrd. Dollar bringen. BHP will Rio 5,8 Mrd. Dollar zahlen, um einen hälftigen Anteil an dem Joint-Venture zu erhalten.

Die Rio-Tinto-Führung nahm gleichzeitig Abschied von dem Plan, ein Paket von Minenbeteiligungen an den chinesischen Staatskonzern Chinalco zu verkaufen. Auch auf die vereinbarte Kapitalspritze aus China will Rio Tinto verzichten. Stattdessen plant der Konzern nun eine Kapitalerhöhung um 15,2 Mrd. Dollar über die Börse. Er reagierte damit auf massive Kritik seiner Aktionäre.

Moffat warnte, die Kooperation schaffe ein Duopol auf dem Erzmarkt, mit der brasilianischen Vale als anderem Pol. Auch wenn die europäischen Stahlkocher ihr Erz vor allem von Vale bezögen und die Australier in erster Linie nach Asien lieferten, beeinflusse die Fusion den Weltmarkt. „Der Eisenerzmarkt ist global.“ BHP, Rio Tinto und Vale kontrollieren zusammen fast 70 Prozent des Welthandels mit Eisenerz.

Auch der Weltstahlverband kritisierte die Pläne scharf. Die Kartellbehörden sollten sie genauestens prüfen, forderte Verbandschef Ian Christmas. „Derzeit können wir nicht sehen, dass das Joint-Venture im öffentlichen Interesse wäre.“

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