Jonsson tritt zurück
Saab verliert seinen wichtigsten Mann

Saab-Chef Jan Åke Jonsson tritt ab. Kein gutes Zeichen für den Autobauer - zumal bereits der neue Vize seinen Posten hingeschmissen hat. Und dann sind da noch schlechte Zahlen und ein umstrittener Investor.
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Jan Åke Jonsson nennt man wohl ein Urgestein. Seit bald 40 Jahren, in den wenigen guten und den langen schlechten Zeiten, arbeitet Jonsson nun schon für Saab – von 2005 an leitete er den schwedischen Autobauer. Diese Ära geht nun zu Ende. Jonsson tritt Mitte Mai zurück.
Übergangsweise soll der niederländische Saab-Eigner Victor Muller nun das Unternehmen führen, das er Anfang 2010 vom US-Konzern General Motors (GM) mit seinem Sportwagenbauer Spyker übernommen hat. Jonsson begründete seinen Rücktritt nach 40 Jahren bei Saab und sechs Jahren an der Spitze mit persönlichen Gründen. Er sagte im Rundfunk, er habe volles Vertrauen in die Lebensfähigkeit von Saab mit seinen 3700 Beschäftigten.

Saab verliert mit Jonsson nicht nur einen lang gedienten Manager, der das Unternehmen von innen und außen kennt. Schlimmer noch ist eigentlich, dass Jonssons Abgang Saab zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt trifft.

Denn einen neuen Vize-Chef muss sich der Autobauer ohnehin schon suchen. Denn Nils-Johan Andersson, der eigentlich Jonsson unter die Arme greifen sollte, ist nur einen Tag vor dem angekündigten Rücktritt des Saab-Chefs selbst abgesprungen. Andersson will jetzt lieber bei seinem bisherigen Arbeitgeber, dem Zulieferer und Baukomponentenhersteller Lindab bleiben. Wenn gleich zwei Top-Manager ihren Hut nehmen – oder ihn gar nicht erst aufsetzen – ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

Und dies, obwohl Saab mehr denn je ein gutes Management braucht. Zum einen ist die Überlebensfähigkeit von Saab bei einer Produktion von 32.000 Autos im vergangenen Jahr und einer Produktionsprognose für 2011 von 80.000 Autos mehr als fraglich – zumal Saab erst unlängst ankündigte, dass ein Business-Plan ein sich „ständig veränderndes Dokument“ sei.

Nicht besser wird die Lage dadurch, dass die Rolle des russischen Finanziers Wladimir Antonow weiter unklar ist. Dieser will als Investor bei Saab einsteigen und gilt als wichtigste Finanzquelle des Saab-Eigners Muller. Im Februar hatte dieser seine Anteile am kleinen niederländischen Sportwagenhersteller Spyker verkauft, um Mittel für die schwächelnde schwedische Marke freizumachen.

Antonov will nun als Großaktionär zu Saab-Mutter Spyker zurückkehren. Er erklärte am Donnerstag, er führe derzeit mit der schwedischen Regierung Gespräche über eine Beteiligung von rund 30 Prozent. Antonow war ursprünglich an der Saab-Übernahme von General Motors beteiligt. Er musste jedoch von dem Plan Abstand nehmen, als ihm Geldwäsche vorgeworfen wurde. US-Behörden hatten ihm gar Beziehungen zu Mafiakreisen unterstellt. Er hat diese Vorwürfe immer zurückgewiesen.

Als ob dies alles an schlechten oder zumindest ungünstigen Nachrichten nicht schon ausreichen würde, hat jetzt auch noch Spyker Cars mitgeteilt, dass mit der schwedischen Tochter im vergangenen Jahr ein Verlust von 218 Millionen Euro eingefahren worden sei.

Nach Ansicht von Branchenexperten benötigt das Unternehmen einen langfristigen strategischen Investor, um die Wende bei der schwedischen Traditionsfirma zu schaffen. Die schwedische Regierung hat die Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von 400 Millionen Euro von der EU-Förderbank EIB für Saab übernommen. Antonow will bis zu 50 Millionen Euro investieren und geht von einer Entscheidung der schwedischen Regierung innerhalb weniger Monate aus. Spyker begrüßte die Absicht Antonows, zu dem Unternehmen zurückzukehren.

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