Jürgen Großmann übernimmt Vorstandsvorsitz
RWE-Aufsichtsrat schließt „Machtvakuum“

Der RWE-Aufsichtsrat hat die Diskussion um den Führungswechsel bei dem Essener Konzern beendet und Fakten geschaffen: Der Stahlmanager Jürgen Großmann wird zum 1. Oktober neuer RWE-Chef und löst damit Harry Roels bereits früher als geplant ab. Die Anleger zeigen sich erleichtert.

HB ESSEN. Vorstandschef Harry Roels werde sein Amt schon zum 30. September niederlegen, teilte der Aufsichtsrat des Energiekonzerns am Donnerstag in Essen mit. Roels habe dem Aufsichtsrat die vorzeitige Beendigung seiner noch bis zum 31. Januar 2008 laufenden Bestellung angeboten, um einen reibungslosen Führungswechsel zu ermöglichen.

In Unternehmenskreisen hieß es, Roels behalte zwar seine Ansprüche, die er bis zum Vertragsende im Januar 2008 gehabt hätte. Weder beim Gehalt, noch bei seinen Aktienoptionen müsse er durch den vorgezogenen Abgang Abstriche machen. Im Gegensatz zu Spekulationen im Vorfeld bekommt er aber keine zusätzliche Zahlung bei vorzeitiger Vertragsauflösung. Die Optionen sind in drei Tranchen 2007, 2008 und 2009 fällig. Ihr Wert hängt von der Kursentwicklung von RWE und den Konkurrenten ab.

Über den Führungswechsel bei RWE war bereits seit Wochen diskutiert worden. Der Grund ist ein Beschluss des Aufsichtsrates (AR) aus dem Februar. Das Kontrollorgan war damals überein gekommen, den Ende Januar 2008 auslaufenden Vertrag mit Roels nicht noch einmal zu verlängern. Zu seinem Nachfolger wurde der Stahlunternehmer Großmann bestimmt, der zum 1. November zunächst als einfaches Mitglied in den Konzernvorstand einziehen sollte.

Dass sich dies als keine gute Idee herausstellte, wurde schnell klar. Bereits zwei Monate später klagten erste Mitarbeiter aus verschiedenen Konzernbereichen hinter vorgehaltener Hand über ein „Machtvakuum“, das entstanden sei. Schon Mitte April kursierten erste Spekulationen über einen früheren Amtsantritt von Großmann. Roels beteuerte dagegen wiederholt, dass er seinen Vertrag zu erfüllen gedenke. Der Kapitalmarkt hatte auf eine rasche Lösung der verfahrenen Situation und auch auf eine vorzeitige Machtübernahme des anfangs mit Skepsis betrachteten Großmann gehofft.

An der Börse wurde die Entscheidung des Aufsichtsrates positiv aufgenommen: Der schnelle Rücktritt von RWE-Vorstand Harry Roels bringt die erhoffte Klarheit in der Führungsstruktur, heißt es. „Endlich ist das Thema durch und der Markt kann sich auf den neuen Mann einstellen“, sagt ein Händler. Die Unsicherheit über die Führungsstruktur habe die Handlungsfähigkeit von RWE in den politisch bewegten Diskussionen, wie über die Netzabtrennung, behindert. Harry Roels verlässt das Unternehmen Ende September, Nachfolger wird Jürgen Großmann. Die RWE-Aktie legt nach der Bekanntgabe um knapp einen Euro zu. Zum Vortag steigt sie um 0,4 Euro auf 85,99 Euro.

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