Jungfernflug
Der A400M ist endlich in der Luft

Nach langem Warten ist das Militärtransportflugzeug A400M am Freitag in Sevilla erstmals abgehoben. Im Streit über die Verteilung der Mehrkosten zwischen EADS und den Kundenstaaten für die Maschinen zeichnet sich derweil eine Annäherung der Positionen ab.
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SEVILLA. Im Streit über die Verteilung der Mehrkosten zwischen EADS und den Kundenstaaten für das Militärtransportflugzeug A400M wollen die Regierungen die Verhandlungsfrist bis Ende Januar 2010 verlängern. Das sagte der deutsche Verteidigungsstaatsekretär Rüdiger Wolf am Rande des Erstflugs der A400M in Sevilla. "Wir haben einen Brief an die EADS verfasst, auf den wir eine Stellungnahme bis Ende des Jahres erwarten", sagte Wolf. Zum weiteren Inhalt des Schreibens wollte er keine Angaben machen, ergänzte jedoch, dass "wir die Verhandlungen künftig direkt mit der EADS führen wollen, und nicht länger mit der Tochter", also Airbus Military.

Wolf gab sich äußerlich hart: "Der Vertrag legt dem Unternehmen klare Verpflichtungen auf, an denen wir nicht rütteln wollen." Doch er ließ zum ersten Mal Punkte durchblicken, bei denen eine Annäherung möglich erscheint. "Anpassungen bei der Preisindexierung, etwa für Rohmaterialen, sind im Rahmen des Vertrages möglich", sagte Wolf dem Handelsblatt. "Es ist für uns aber klar, dass der Großteil der ermittelten Mehrkosten von fünf Milliarden Euro bei der Industrie verbleiben müssen", fügte er an. Er zeigte sich "optimistisch", dass das Programm zum Erfolg geführt werden könne.

Ursprünglich wollten Airbus und die Kundenstaaten ihre Verhandlungen bis Ende des Jahres beenden. Die Gespräche sind nötig, da die A400M mindestens drei Jahre zu spät geliefert wird und die Entwicklung insgesamt 7,5 Mrd. Euro teurer wird, als ursprünglich geplant. Davon hat Airbus bereits 2,4 Mrd. Euro zurück gestellt. Nun wird über die Verteilung der weiteren Lasten gepokert. Airbus hatte seinen Kunden die Lieferung von 180 Maschinen zum Festpreis von 20 Mrd. Euro versprochen.

Mit seinen Äußerungen zur Anpassung der Preisindexierungsklausel greift Staatssekretär Wolf einen Vorschlag auf, den das Airbus-Management vorgelegt hat. Domingo Urena-Raso, Chef von Airbus Military, hatte in Interviews vorgeschlagen, dass die zusätzlichen Kosten der Entwicklung bei Airbus verbleiben, die weiteren Kosten für die industrielle Fertigung aber von den Kundenstaaten übernommen werden sollen. "Wie das geht? Vor allem über eine Änderung der Preis-Anpassungsklauseln." Denn die derzeitigen Regelungen sähen vor, dass Airbus steigende Kosten nur in Abhängigkeit vom Bruttoinlandsprodukt gelten machen dürfe. "Das ergibt Preisanpassungen von nur 1,9 Prozent pro Jahr zwischen 1998 und 2008 - zu wenig um die steigenden Kosten für Rohstoffe und Gehälter aufzufangen", erklärte Urena-Raso.

Spaniens König Juan Carlos rief in seiner Ansprache "alle am Programm beteiligten Staaten" dazu auf, "möglichst schnell zu einem endgültigen Abkommen zu kommen."

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