Justiz ermittelt
Ex-Daimler-Mitarbeiter soll Saddam-Regime bestochen haben

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen einen ehemaligen Daimler-Chrysler-Mitarbeiter aufgenommen, der das Regime des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein bestochen haben soll.

HB STUTTGART. Der Ex-Mitarbeiter habe möglicherweise gegen das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Er soll beim Verkauf eines gepanzerten Lastwagens an den Irak ein Schmiergeld von knapp 7000 Euro (damals 13 589 DM) gezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es bestehe der Verdacht, dass die Genehmigung zur Ausfuhr des Lastwagens erschlichen worden sei, weil der Geldbetrag nicht ausgewiesen worden sei. Daimler-Chrysler lehnte eine Stellungnahme unter Hinweis auf laufende Ermittlungen der US-Börsenaufsicht und des Justizministeriums ab. Im Ende Oktober veröffentlichten Bericht über Korruption und Bestechung beim „Öl für Lebensmittel“-Programm der Vereinten Nationen waren mehr als 2200 Unternehmen genannt, die Schmiergelder an irakische Stellen gezahlt hatten, um Aufträge zu bekommen. Unter zahlreichen deutschen Firmen befand sich auch Daimler-Chrysler. „Wir haben uns auf den UN-Bericht gestützt“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Darin wurde ein Daimler-Chrysler-Mitarbeiter genannt, der den Geld-Betrag im Juni 2001 an das Ölministerium gezahlt haben soll. Der Mann sei heute im Ruhestand, sagte eine Konzernsprecherin. Er war früher für den Autobauer im Irak tätig; zum Zeitpunkt des von der UN aufgeführten Geschäfts war er jedoch in der Stuttgarter Zentrale beschäftigt. Mit dem „Öl für Lebensmittel“-Programm war es dem Irak zwischen 1996 und 2003 gestattet worden, eine begrenzte Menge Erdöl zu verkaufen, um Medikamente und Nahrungsmittel zur Versorgung der Bevölkerung einzuführen. Die Sanktionen waren nach dem Einmarsch des Irak nach Kuwait verhängt worden. Die UN hatte sie nach dem Sturz Saddams 2003 wieder aufgehoben.

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