Juwi-Prozess: Willenbacher bricht sein Schweigen

Juwi-Prozess
Willenbacher bricht sein Schweigen

Am fünften Verhandlungstag im Korruptionsprozess um den Windparkbauer Juwi hat der angeklagte Ex-Vorstand Matthias Willenbacher erstmals ausgesagt. Es ist eine Abrechnung geworden.

DüsseldorfHin und wieder ein kurzes Lächeln. Mal ein Flüstern mit den Anwälten, ein Griff zum Kugelschreiber. Matthias Willenbacher verfolgte seinen Prozess vor dem Landgericht Meiningen (Thüringen) bisher vor allem still. Was in seinem Inneren vorging, blieb sein Geheimnis. Das änderte sich am vergangenen Freitag. Am fünften Verhandlungstag im Korruptionsprozess brach der Gründer und Ex-Vorstand von Deutschlands zweitgrößtem Windparkbauer Juwi sein Schweigen.

„Ich wurde als Straftäter abgestempelt“, sagte Willenbacher in seiner etwa einstündigen Einlassung. Die Staatsanwaltschaft habe über all die Jahre „völlig einseitig und nicht ergebnisoffen ermittelt“. In den vier Jahren seit Beginn der Ermittlungen habe er „eine andauernde negative Presseberichterstattung“ über sich ergehen lassen müssen.

Die Juwi AG, die er „in 20 Jahren harter Arbeit aufgebaut“ habe und die Ende 2014 vom Mannheimer Energieversorger MVV gerettet werden musste, sei nicht zuletzt durch dieses Verfahren in Schieflage geraten. Auch sein Ausscheiden als Vorstand im Frühjahr 2015 sei in der Öffentlichkeit und in der Presse als Schuldeingeständnis aufgefasst worden.

Willenbacher ist angeklagt, weil er als Vorstand der Juwi AG einen Amtsträger in Eisenach bevorteilt haben soll. Der frühere Thüringer Innenminister Christian Köckert beeinflusste zu Juwis Gunsten eine Beschlussvorlage des Stadtrats und beschaffte dem Unternehmen interne Dokumente aus dem Bauamt. Und das alles während er für 700 Euro pro Tag für den Windparkbauer als Berater tätig war. Die Staatsanwaltschaft Erfurt sah darin eine unerlaubte Vorteilsgewährung. Doch Willenbacher will gar nicht gewusst haben, dass sein damaliger Berater Köckert in Eisenach Amtsträger war.

„Der Name Köckert sagte uns Mitte des Jahres 2010 gar nichts“, erklärte Willenbacher im Gericht. Daher habe eine Mitarbeiterin im Internet recherchiert. „Sie legte mir seinen Wikipedia-Eintrag vor, der für mich nichts deutlich Negatives enthielt. Von einer möglichen aktuellen Beamtenstellung war weder in Wikipedia noch in einem sonstigen Artikel etwas zu lesen.“ Beim ersten Gespräch in der Juwi-Zentrale sei nicht über Köckerts kommunalpolitische Tätigkeit und erst recht nicht über seine ehrenamtliche Beigeordnetenstellung in Eisenach gesprochen worden.

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Verteidiger strotzt vor Zuversicht

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