Kälte vermiest den Autokauf
VW verliert in den USA weiter an Boden

Volkswagen hat in den USA zum Jahresbeginn einen Fehlstart hingelegt. Im Januar brach der dortige Absatz um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein – doch auch die US-Branchengrößen kämpfen mit dem kalten Wetter.
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Detroit/WolfsburgDas bitterkalte und schneereiche Winterwetter hat die US-Amerikaner vielerorts vom Autokauf abgehalten. Bei den Marktführern General Motors und Ford ging der Absatz im Januar um zwölf beziehungsweise sieben Prozent zurück. Die Marke VW büßte im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar 19 Prozent auf knapp 23.500 Fahrzeuge ein. Volkswagen fehlt momentan ein frisches Massenmodell im Land.

„In Regionen, wo das Wetter gut war, sind die Verkäufe gestiegen“, erklärte Fords US-Vertriebschef John Felice am Montag. Er nannte als positive Ausnahme den Westen. Dagegen hatte es selbst im Süden der Vereinigten Staaten in der vergangenen Woche geschneit, was für Chaos auf den Straßen sorgte und das öffentliche Leben teils lahmlegte. Auch an der bevölkerungsreichen Ostküste mit New York und Washington schlug der Winter voll zu.

Vergleichsweise in Grenzen hielt sich der Rückschlag bei Toyota und Ford mit einem Minus von jeweils rund sieben Prozent. Ford brachte gut 154.600 Autos an die Kunden, Toyota knapp 146.400. Immer dichter auf die Fersen rückt den beiden der inzwischen von Fiat komplett übernommene Rivale Chrysler, der seinen Absatz um acht Prozent auf fast 127.200 Fahrzeuge steigern konnte.

Zu den wenigen Gewinnern unter den Herstellern zählte Chrysler mit einem Verkaufsplus von 8 Prozent. „Das schlechte Wetter scheint nur die Händler unserer Wettbewerber getroffen zu haben“, stichelte US-Verkaufschef Reid Bigland. Er sprach vom besten Januar seit 2008 und damit bevor die Wirtschaftskrise voll zuschlug. Chrysler war erst jüngst mit Fiat verschmolzen.

Audi vermeldete sogar den besten Januar aller Zeiten in den USA, wenngleich es nur ein paar Dutzend Wagen waren, die die VW-Premiummarke mehr absetzte als im Vorjahresmonat. Die Verkaufszahlen der Rivalen BMW und Mercedes-Benz standen bis zuletzt noch aus. In den USA vermeldet jeder Hersteller selbst seine Verkäufe. Es gibt keine zentrale Stelle.

Während die Europäer erst langsam zu den Autohändlern zurückfinden, hielt der gute Lauf in den USA bis zuletzt an. Im vergangenen Jahr waren die Verkäufe nach Daten des Marktforschers Autodata um 8 Prozent auf 15,6 Millionen Stück gestiegen und damit schon fast wieder auf Vorkrisenniveau. Im Januar lag der Rückgang nach einer vorläufigen Auswertung der Fachzeitschrift „Automotive News“, die etwa die Hälfte der Hersteller einbezog, bei sechs Prozent.

In Wolfsburg haben die Absatzprobleme in den USA bereits für Unruhe gesorgt. Das Management habe den Wettbewerb auf dem nach China weltweit zweitgrößten Automarkt unterschätzt und biete dort zu wenige Fahrzeugtypen an, um in der scharfen Konkurrenz mitzuhalten, sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh Mitte Januar. Aus Sicht der Arbeitnehmer sei das Geschäft in den USA eine „Katastrophenveranstaltung“ für Volkswagen. Osterlohs Worte haben in Wolfsburg besonderes Gewicht, da er im einflussreichen Präsidium des Aufsichtsrates sitzt. Auch der neue US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, hatte einen Sinneswandel in Wolfsburg angemahnt, um in den USA in die Erfolgsspur zurückzufinden.

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Zentralistische VW-Organisation Teil des Problems

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  • Der Bericht ist echt geil. Erst ist das Wetter Schuld. Dann aber doch eher das Problem, dass VW keine gescheiten Autos zu bieten hat, die Fahrzeuge teurer als beim Wettbewerb sind und dafür auch noch weniger Ausstattung bieten. Einfach der Knaller. Würden deutsche Autokunden mal sehen, wie billig VW (und von den deutschen Fahrzeugen nicht nur VW) in USA verscherbelt werden und das mal mit den Preisen in Deutschland vergleichen, dann würden die Deutschen vor Wut keine deutschen Autos mehr kaufen. Und Ausstattung ist in USA ohnehin schon viel mehr drin als in Deutschland. Und trotzdem kaufen die Amerikaner diese miese VW-Qualität nicht. Da sag mal einer die Amis wären blöd. Also wenn es darum geht viel zu wenig Auto für viel zu viel Geld zu kaufen, dann sind wohl eher die Deutschen blöd.

  • VWs Problem sind schlechte Qualität und Modelle, die keiner will.

    Mercedes ist erfolgreich mit dem Sprinter, Ford mit dem Transit Connect, Nissan mit dem NV200 und VW? Ach ja, wir sollen mal wieder einen Jetta kaufen!

    In der Superbowlwerbung freuen sie sich dann, wenn ihre Autos 100000 Meilen schaffen. Was ein Witz! Bei einer 100000 Meilen Garantie wie Kia würden sie dann entglültig Pleite gehen, weil nämlich vorher alles kaputt geht.

    Geht mal nach Südkorea und macht eure Hausaufgaben! Sonst könnt ihr hier wirklich bald einpacken!

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