Kältemittelstreit
Mercedes droht Ausweitung des Zulassungsstopps

Weil der Autobauer ein in der EU verbotenes Kältemittel in seinen Klimaanlagen einsetzt, gilt für einige Modelle in Frankreich bereits ein Zulassungsstopp. Dem wollen sich nun womöglich auch andere Länder anschließen.
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BrüsselIm Kältemittelstreit mit der Europäischen Union droht Daimler nach Frankreich auch ein Zulassungsstopp in anderen Staaten der Gemeinschaft. Bei einem Ausschuss-Treffen auf Arbeitsebene am Mittwoch erklärten die Teilnehmer in Brüssel, es solle auf ein einheitliches Vorgehen hingearbeitet werden. Dazu gehöre auch der Rückruf von bereits verkauften Fahrzeugen. In den kommenden Wochen seien weitere Gespräche mit Frankreich und Deutschland zu dem Fall geplant.Der

Frankreich hatte Anfang Juli befristet die Zulassung der Mercedes-Modelle A- und B-Klasse sowie SL ausgesetzt, weil deren Klimaanlagen noch mit einem klimaschädlichen Kältemittel befüllt sind. In der EU müsste aber ein neues, umweltfreundlicheres Mittel eingesetzt werden.

Der Stuttgarter Autobauer hatte versucht, den schon Monate währenden Streit um das Klimaanlagen-Kältemittel zu beenden und sich vom Kraftfahrtbundesamt in Flensburg nachträglich Zulassungsgenehmigungen für die drei Mercedes-Modelle besorgt, die das bisher übliche Kältemittel an Bord haben.

Frankreich hatte diese nachträgliche Zulassungsgenehmigung der deutschen Behörde aber nicht anerkannt und stellt den Besitzern der Neuwagen keine Papiere mehr aus. Auf ein Jahr hochgerechnet könnten von diesem Zulassungsstopp bis zu 30.000 Mercedes-Fahrzeuge betreffen. Daimler pocht auf die erteilte Genehmigung durch das KBA.

EU-Vorschriften verlangen für Fahrzeuge mit einer nach 2011 erteilten Typgenehmigung ab Beginn dieses Jahres ein Kältemittel, das die Erderwärmung weniger fördert als das bisher übliche Gas R134a. Einzig das Kältemittel R1234yf erfüllt diese Richtlinie derzeit.

Daimler weigert sich jedoch, dieses von den US-Konzernen Dupont und Honeywell entwickelte Gas in die Klimaanlagen einzufüllen: Das Gas sei bei Unfällen und Leckagen des Klimasystems zu gefährlich, da es sich im heißen Motorraum entzünde und dann ätzende Säure freisetze. Daimler rüstet daher seine komplette Fahrzeugflotte wie gewohnt mit dem klimaschädlichen Kältemittel R134a aus.

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Kommentare zu " Kältemittelstreit: Mercedes droht Ausweitung des Zulassungsstopps"

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  • Hier geht es wohl weniger um Umweltschutz, sondern um den Franreich eigenen "Schrott auf Rädern" zu hypen und zu fördern.

  • Die Klimatechnik braucht wohl auch dringend eine Art "Innovationsschub oder ökologische/gesundheitliche samt Sicherheitsaspekte der neuen Generation!" Wo sind den die Alternativen - zu teuer, zu kompliziert, nicht umsetzbar oder einfach zu bequem um sich mit diesen neuen Konzepten und wahrsxheinlich auch serienreichen Produkten zu beschäftigen??

    Egal ob Auto, Bahn oder Flugzeug, hier scheint was im Argen zu sein, was verdrängt wurde und erst zu Tage tritt, wenn das Wetter verrückt spielt oder gar die Technologie noch nicht so ausgereift ist aber dennoch eingebaut wird trotz Gefährdung von Mensch und Ware...

    Diese Unternehmen sind Globalplayer auf dem Weltwirtschaftsektor, sie sollten doch in der Lage sein, hier Verbesserungen jeglicher Art in Sachen Klimamitteltechnik oder Kältetechnik zu haben oder ist ads wieder ein Pokerspiel der besonderen Art, was bedenklich wäre, oder ist ihnen ein teuerer Rückruf lieber und Nachbessern?? Der vermieden werden könnte, auch bei Fluglinien und Bahn treten immer wieder diese Probleme auf (Dreamliner Batterie gut und schön, aber andere Flieger mit Klimaanlageproblemem und sauberer Luftproblemen von der Bahn die langsam sicher versucht, hier die Sache in den Griff zu bekommen, aber es dauert! und sich derweil mit Weasserverteilen behilft! wenn nötig), tja

    Ein innovatives Land wie Deutschland ringt um Klimaanlagentechnik und ihre Tücken samt Kältemittel....

  • Dieses Theater ist hochgradig lächerlich.

    In einer Klimaanlage sind rund und roh 500 g R134a enthalten,bei einem GWP (Global warming potential) von 1430 entspricht das einer "Klimaschädlichkeit" von 715 kg CO2, angenommen, das Kühlmittel gelangt zur Gänze in die Atmospäre.

    Für die Emission von 715 kg CO2 müsste heute z. B. ein Kohlekraftwerksbetreiber 2.20 € bezahlen. Da frage ich mich, haben die Bürokraten in Brüssel noch alle Latten am Zaun?

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