Käufer für die wichtigsten Bereiche des Anlagenbauers
Neue Hoffnung nach der Babcock-Pleite

Gute Nachrichten von einer der größten Firmenpleiten der vergangenen Jahre: Die drei wichtigsten Arbeitsbereiche der Babcock Borsig AG haben neue Eigentümer oder stehen kurz davor. Am 4. Juli 2002 meldete der 111 Jahre alte Konzern aus Oberhausen Insolvenz an, jetzt zieht der Vorstandsvorsitzende Horst Piepenburg eine positive Zwischenbilanz: „Die Sanierung der Kernbereiche ist erfolgreich abgeschlossen.“

DÜSSELDORF. 18 000 der einst 21 000 Arbeitsplätze blieben erhalten. Verlierer sind die Aktionäre des Anlagenbauers, deren Papiere wertlos geworden sind, und die Gläubiger, die mit einer niedrigen zweistelligen Quote rechnen können, allerdings frühestens im Jahr 2008.

Den letzten großen Unternehmensbereich haben Sachwalter Helmut Schmitz und Vorstand Horst Piepenburg vor knapp zwei Wochen in neue Hände gegeben. Der Servicebereich mit 2 100 Beschäftigten und 275 Mill. Euro Umsatz soll an die Beteiligungsgesellschaft DBAG gehen. Der Gläubigerausschuss hat bereits zugestimmt. Diese Woche sollen die Verträge unterzeichnet werden. Damit dürfte auch für diese rentabel arbeitende Sparte die Zukunft weitgehend gesichert sein. Der Service von Kraftwerken gilt auch bei anderen Anlagenbauern als ein lukratives Geschäft; deshalb gab es mehrere Kaufinteressenten.

Vorher war bereits der Kraftwerksbau mit 330 von einst knapp 800 Beschäftigten an den japanischen Hitachi-Konzern verkauft worden, der sich dadurch einen Einstieg in den europäischen Markt für Kraftwerke erhofft. Die beiden Konzerne haben schon früher kooperiert und noch vor der Insolvenz ein Angebot für das geplante neue Braunkohlekraftwerk von Rheinbraun bei Neuss abgegeben. Jetzt plant man nach Aussage eines Sprechers auch Angebote für schlüsselfertige Kraftwerke abzugeben, denn mit dem Dampfkesselbau von Babcock und den Turbinen von Hitachi hat die Gesellschaft nun beide wichtigen Komponenten eines Kraftwerkes unter einem Dach.

Zentrale Oberhausen mit größtem Aderlass

Der Umweltbereich war bereits vorher an die italienische Fisia verkauft worden. Auch für die Gießerei in Oberhausen hat sich ein Käufer gefunden. Damit stehen auf der Verkaufsliste von Sachwalter Schmitz nur noch einige Tochtergesellschaften wie der Maschinenbauer Schumag oder der Windkanalanbieter Tuma. Hier drängt die Zeit aber nicht, da die Gesellschaften rentabel arbeiten oder gar nicht insolvent geworden sind.

Den größten Aderlass hat es in der Zentrale in Oberhausen gegeben. Hier verloren 800 Beschäftigte ihre Arbeit. Zwei der drei Hochhäuser der Verwaltung stehen leer. Trotzdem sind auch Arbeitnehmervertreter mit der Abwicklung der Insolvenz relativ zufrieden. Hannelore Elze, Vertreter der IG-Metall im Babcock-Aufsichtsrat, bestätigt, dass es bisher „positiv gelaufen“ sei. „Es hat keinen wilden Arbeitsplatzabbau gegeben“, betont sie. „Da hatten wir mehr befürchtet.“

Die beiden Insolvenzspezialisten Schmitz und Piepenburg, die als Sachwalter und Vorstandschef das Sagen haben, führen die schnellen Verkäufe auf die neue Form der „Insolvenz in Eigenverwaltung“ zurück, die bei Babcock wie auch bei der Kirch-Pleite angewendet wurde. „Sie ermöglichte dem Vorstand national wie international wichtigen Spielraum“, betont Piepenburg, der wieder in seine Düsseldorfer Anwaltskanzlei zurückkehrt.

Einen prominenten Verlierer hat die Babcock-Insolvenz aber auf jeden Fall: Der ehemalige Babcock-Vorstandsvorsitzende und spätere Chef der Kieler Werft HDW Klaus Lederer ist gescheitert. Lederer hatte die einstige Babcock-Tochter an die Amerikaner OEP verkauft und musste nach Protesten seinen Stuhl räumen. Gegen ihn ermittelt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft weiter wegen des Verdachts der Untreue und der Insolvenzverschleppung.

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