Käuferschlacht
Verbissener Kampf um Modekonzern Escada

Der Verkauf der Modemarke Escada gleicht einem Wühltisch im Sommerschlussverkauf: Etliche namhafte Interessenten rangeln mit allen Mitteln um die Übernahme des insolventen Luxuslabels - und erhöhen so den Druck auf Insolvenzverwalter Christian Gerloff.
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MÜNCHEN. Das Kerngeschäft von Quelle wird in diesen Tagen abgewickelt, weil sich kein Käufer für das insolvente Versandhaus aus Fürth gefunden hat. Der ebenfalls insolvente Modekonzern Escada hingegen ist so begehrt, dass die Interessenten massiven Druck auf den Insolvenzverwalter ausüben, um den Zuschlag zu bekommen.

Gestern hieß es im Umfeld von Escada, Insolvenzverwalter Christian Gerloff verhandele mit drei potenziellen Investoren. Dem Vernehmen nach können die Gespräche bereits heute zum Abschluss gebracht werden, spätestens Ende dieser Woche. Ein Sprecher von Gerloff wollte sich nicht zum Stand des Verkaufsprozesses äußern.

Zwei mögliche Investoren trommeln seit Tagen in der Öffentlichkeit: Sven Ley, der Sohn von Unternehmensgründer Wolfgang Ley, und dessen Frau Zoe sowie Megha Mittal, die Schwiegertochter des indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal.

Die Leys haben gestern in einer Mitteilung bereits den Eindruck erweckt, als hätten sie den Zuschlag erhalten. Sie seien entschlossen, zusammen mit ihren Partnern „Escada wieder zu einer Erfolgsstory zu machen“, hieß es. 2014 solle der Jahresumsatz des Luxuslabels über 500 Mio. Euro liegen, teilte das Ehepaar ferner mit – in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2008/09, für die Escada die letzten Geschäftszahlen genannt hat, kam die Firma auf Erlöse von nur noch 151 Mio. Euro. Megha Mittal lässt über eine Londoner PR-Agentur verbreiten, welche Fähigkeiten sie hat, um das angeschlagene Münchener Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen. Im Umfeld der Familie heißt es, die 33-jährige ehemalige Bankerin von Goldman Sachs sei seit einem Jahr auf der Suche nach einem Modeunternehmen.

In den Verhandlungen zwischen Gerloff und den Interessenten geht es einerseits um den Kaufpreis, andererseits um das Zukunftskonzept für Escada. Die Mittals wollen nach Angaben aus ihrem Umfeld den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Bruno Sälzer an Bord behalten. Die Leys möchten den ehemaligen Boss-Chef durch den Italiener Giacomo Santucci ersetzen, früher bei Prada und Gucci aktiv. Zudem unterstützt der italienische Luxus-Einzelhändler Maurizio Borletti das Ley-Konsortium.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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