Kampf gegen Brustkrebs Novartis-Arznei steht vor Zulassung in Europa

Ein potenzielles Milliardenmedikament steht in Europa vor der Zulassung. Konkret geht es um eine Brustkrebsarznei des Schweizer Pharmakonzerns Novartis. Für die endgültige Freigabe muss die EU-Kommission noch zustimmen.
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Der Schweizer Pharmariese könnte bald die Zulassung für ein neues Mittel zur Behandlung von Brustkrebspatienten erhalten. Quelle: Reuters
Novartis-Zentrale in Basel

Der Schweizer Pharmariese könnte bald die Zulassung für ein neues Mittel zur Behandlung von Brustkrebspatienten erhalten.

(Foto: Reuters)

ZürichDer Schweizer Pharmakonzern Novartis ist der Zulassung eines potenziellen Milliardenmedikaments in Europa einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Ein Expertenausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) empfahl am Freitag, das Präparat Kisqali als Primärtherapie für eine schwer zu behandelnden Form von Brustkrebs freizugeben. Das letzte Wort hat die Europäische Kommission, die den Empfehlungen des Ausschusses üblicherweise folgt.

Die Zulassung gilt für die Behandlung von sogenanntem HR-positivem und HER2-negativem Brustkrebs im fortgeschrittenen oder metastasierenden Stadium. Kisqali wird dabei in Kombination mit sogenannten Aromatasehemmern verabreicht, die bei der Behandlung von hormonempfindlichen Brustkrebstypen eine wichtige Rolle spielen. Im weltgrößten Gesundheitsmarkt USA wurde die Arznei bereits im März zugelassen. Reuters-Daten zufolge trauen Analysten Kisqali im Jahr 2022 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar zu. Mit dem Konkurrenzprodukt Ibrance, das seit 2015 auf dem Markt ist, erzielte der US-Pharmakonzern Pfizer im vergangenen Jahr 2,1 Milliarden Dollar Verkaufserlöse.

So lässt sich das Krebsrisiko senken
Todesursache Krebs
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Rocklegende David Bowie (r.) und Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister sind zwei Fälle in einer langen Liste von Prominenten, die an Krebs gestorben sind. Bösartige Tumore sind nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Häufig ist es Schicksal, doch der Lebensstil kann das Krebsrisiko erheblich beeinflussen, wie Experten betonen.

Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs)
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Nach Ansicht vieler Forscher wären insgesamt bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen ihren Lebensstil entsprechend änderten. „Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen“, sagt der Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Rudolf Kaaks.

Krebsrisiko Rauchen
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Rauchen sei bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich, warnt Kaaks. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs sei der Anteil sogar noch viel höher. Zudem schädigen Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Allein in Deutschland sterben jährlich 3000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs, so der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

Krebsrisiko Übergewicht
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Den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kennen viele Menschen nicht, dabei ist er seit Jahren belegt. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten darauf mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle zurückgeführt werden, schätzt DKFZ-Experte Kaaks: „Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung vermutlich Übergewicht eine Rolle spielt, wird immer länger.“

Krebsrisiko Ernährung
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Falsche Ernährung spielt bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Am besten belegt und am stärksten ausgeprägt seien die schädliche Wirkung von rotem Fleisch und die schützende Wirkung von Ballaststoffen, sagt Kaaks. Dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken, habe sich jedoch nicht bestätigt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wer viel verarbeitetes Fleisch esse, erhöhe sein Darmkrebsrisiko. Andererseits liefert Fleisch aber auch Eisen und wichtige Vitamine. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Krebsrisiko Bewegungsmangel
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Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Darm- und Brustkrebs. „Und es mag sehr wohl sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt“, sagt Kaaks.

„Fitness wirkt ein Stück weit schützend“, meint auch Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft. „Aber kein Mensch sollte glauben, vor Krebs gefeit zu sein, nur weil er jedes Jahr den Berlin-Marathon läuft.“

Krebsrisiko Alkohol
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Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind auf Alkohol zurückzuführen. Vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen sei gefährlich, warnt Kaaks. Ein Glas Wein oder Bier reiche schon aus, um das Risiko für bestimmte Krebsarten leicht, aber nachweisbar zu steigern.

Johannes Bruns ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. „Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht“, sagt er. Diese Schwelle sei aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Kisqali gehört zu den Medikamenten, die den Umsatz ankurbeln und Novartis ab 2018 zurück auf den Wachstumskurs führen sollen. In den vergangenen Jahren drückten die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte für umsatzstarke Medikamente wie den Blutdrucksenker Diovan oder das Blutkrebsmittel Glivec die Erträge des weltgrößten Herstellers von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Zudem schmälerten Kosten für die Sanierung des Augenheilgeschäfts Alcon und zur Ankurbelung des Umsatzes des mit Startschwierigkeiten kämpfenden Herzmedikaments Entresto die Gewinne.

An der Börse schlug die Neuigkeit zu Kisqali keine großen Wellen. Die Novartis-Aktien gaben knapp ein Prozent nach und verloren damit etwas stärker an Wert als die europäischen Gesundheitstitel. Börsenhändler machten dafür allerdings in erster Linie Gewinnmitnahmen nach dem Kurssprung vom Vortag verantwortlich, als vielversprechende klinische Studienresultate das Medikament Ilaris wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt hatten. Bereits in den Tagen davor hatten Testergebnisse zur Augenarznei RTH258 und die Zulassung einer biotechnologisch erzeugten Nachahmer-Version des Roche-Krebsmedikaments Mabthera für Kursschub gesorgt. 

  • rtr
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