Kampf gegen die Streichliste
Die Rüstungslobby macht mobil

Industrie und Gewerkschaften fürchten um das lukrative Geschäft mit Rüstungsprogrammen in Milliardengröße und warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten. Auf der Streichliste der Regierung: Eurofighter, A400M und die Drohne Talarion.
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MÜNCHEN. Bernhard Stiedl machte seinem Ärger gestern demonstrativ Luft. "Wir stehen vor einer dramatischen Situation", sagte der IG-Metall-Funktionär und Aufsichtsrat der EADS Deutschland - und lieferte das Schreckensszenario gleich mit: "Wird die Streichliste der Bundesregierung umgesetzt, stehen kurzfristig 15 000 und langfristig 30 000 Arbeitsplätze in unserer Industrie auf dem Spiel." Bleibe es bei den Plänen des Verteidigungsministeriums, "werden wir zu Aktionen aufrufen", warnte er in München.

Stiedl und sein Arbeitgeber EADS machen mobil. Seit Juli kursiert in der Rüstungsbranche eine Streichliste, mit der mittelfristig 9,3 Mrd. Euro bei der Beschaffung von Flugzeugen, Panzern und Schiffen eingespart werden sollen. Betroffen sind neben EADS auch Rüstungshersteller wie Diehl, Rheinmetall oder Krauss Wegmann-Maffei - am lautesten aber ruft EADS. Kein Wunder: Mehr als die Hälfte des deutschen Beschaffungsetats landet traditionell in den Büchern des Luft- und Raumfahrtkonzerns. Vor allem in den süddeutschen Standorten wie Manching, Schrobenhausen oder Augsburg geht deshalb laut Gewerkschafter Stiedl "die Angst um".

Zu Beginn des Sommers fühlte sich die Branche noch relativ sicher. Bis zuletzt wurden milliardenschwere Rüstungsaufträge unter Dach und Fach gebracht. So jubelten die Panzerhersteller Krauss-Maffei und Rheinmetall erst Ende 2009 über die Bundeswehr-Bestellung von 405 Puma-Schützenpanzern im Wert von drei Mrd. Euro - der größte deutsche Panzerauftrag seit Jahrzehnten.

Auch die EADS brachte ihre Schäfchen ins vermeintlich Trockene: Drei Dutzend Eurofighter der sogenannten Tranche 3A für drei Mrd. Euro sind bestellt. Auch für die verspäteten und sehr viel teureren 60 Transportflieger vom Typ A400M gibt es seit Frühjahr eine prinzipielle Kaufzusage. Hinzu kommen ständig laufende Zusatzprogramme, insbesondere für den Afghanistan-Einsatz, den die Bundeswehr aus Mitteln für den "einsatzbedingten Sofortbedarf" abrechnet. Die Industrie verdient kräftig an Wartung, Service und Ersatzteilen.

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  • 2 haben Streit, die Deutsche Rüstungsindustrie verkauft beiden Waffen...
    Keinem Geschäft würde ich mehr den Bankrott wünschen - und wenn die ganze Menschheit dafür arbeitslos würde!!!

  • Um unter die "Räder" zu kommen, hat man entweder bodenschätze oder man möchte aus dem bestehenden Finanzsystem aussteigen. beides trifft auf Deutschland nicht zu.

    Das Waffen Frieden schaffen ist doch ein Märchen und außerdem werden Kriege heute nicht mit anderen Mitteln geführt als noch vor 80 Jahren.

  • @ A.Prenden (2)
    „Kriegswaffen gehören abgeschafft.“

    ich vermisse den Spruch: „Schwerter zu Pflugscharen“.
    Wer sich selbst entwaffnet wird sich dem Diktat anderer zu beugen haben und feststellen, das der Nachbar gar nicht so nett ist wie gedacht. Mit anderen Worten: „Die, die ihre Schwerter zu Pflugscharen machten, pflügen heute für die, die ihre Schwerter behielten.

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