Kampf gegen Merck-Übernahmeofferte
Elektro-Riesen schielen auf Schering-Teile

Der Berliner Pharmakonzern Schering kämpft ums Überleben. Auch der Verkauf von Unternehmensteilen kommt offenbar zur Abwehr der Übernahme durch Merck auf den Prüfstand. Siemens und Philips wären vor allem an der Diagnostika-Sparte der Berliner interessiert.

HB LONDON/FRANKFURT. Ein mit der Situation Vertrauter beschrieb die Aufgaben des Schering-Managements am Dienstag so: „Sie müssen sich das Portfolio anschauen und darüber nachdenken, ob es Wert schaffende Schritte gibt, über die nachzudenken schmerzhaft wäre, aber die machbar sind.“ Eine Möglichkeit sei der Verkauf des Geschäfts mit Diagnose-Produkten wie Kontrastmitteln. Analysten zufolge könnte die Sparte bei einem Verkauf rund fünf Mrd. Euro einbringen. Im vergangenen Jahr kam der Bereich auf Erlöse von 1,4 Mrd. Euro.

Der Darmstädter Traditionskonzern Merck will Schering für 14,6 Mrd. Euro übernehmen. Den Schering-Aktionären will Merck 77 Euro je Aktie bieten. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat des Berliner Pharmakonzerns lehnen allerdings das Angebot ab. An der Börse wird auf eine deutliche Aufstockung spekuliert, der Schering-Kurs liegt inzwischen bei 83 Euro.

Branche horcht auf

Der Siemens-Konzern beobachtet nach eigenen Angaben die Entwicklungen im Streit um die Übernahme aufmerksam. „Wir verfolgen die Entwicklung bei Merck und Schering auch mit Interesse“, sagte ein Sprecher der Siemens-Medizintechniksparte zur Frage nach dem Interesse an der Schering-Diagnostika-Sparte. Spartenchef Erich Reinhardt hat zuletzt erklärt, Siemens sei in dem Bereich grundsätzlich für Zukäufe offen. Auch Philips hat nach Angaben eines Sprechers ein Auge auf die Entwicklungen in Deutschland geworfen. Beide gehören zu den weltweiten Branchenführern bei Medizingeräten.

Kreisen zufolge könnte auch Roche an der Sparte Gefallen finden. Der schweizerische Pharmakonzern lehnte eine Stellungnahme ab. Beteiligungsgesellschaften könnte der stabile Mittelzufluss (Cash-Flow) des Geschäfts locken. Nach Einschätzung des Brokerhauses Cazenove könnten die Berliner die Erlöse aus dem Diagnostika-Verkauf als Sonderdividende an ihre Aktionäre ausschütten, um ihnen so Anreize zu geben, die Aktien zu behalten.

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