Kampf in Automobilzuliefererindustrie
Continental lehnt Schaeffler-Angebot ab

Bevor die Agenturen am Dienstagnachmittag um 14.46 Uhr Schaefflers Übernahmeangebot für Conti meldeten, wurde klar, wie minutiös die Franken ihre Schritte geplant haben. In einem Gespräch mit Conti-Chef Manfred Wennemer eröffneten sie ihm Montagabend, dass die Gruppe bereits 2,97 Prozent der Aktien besitzt, Optionen über 4,95 Prozent hält und Zugriff auf 28 Prozent der Aktien über so genannte Cash-Swaps hat. Das sind komplexe Finanzinstrumente, die für einen bestimmten Zeitraum einen Tausch von Geld in Aktien erlauben. Neun nationale und internationale Banken soll Schaeffler damit beauftragt haben. Unter dem Strich hat sich der Angreifer den Zugriff auf 36 Prozent der Conti-Aktien gesichert.

Da das Aktienpaket und die direkten Optionen jeweils unter den Meldeschwellen blieben, war Schaeffler davon überzeugt, kein Übernahmeangebot an die freien Aktionäre abgeben zu müssen. Continental-Chef Wennemer und sein Finanzvorstand Alan Hippe sahen das anders, bauten ihre Verteidigung darauf auf und schalteten die Bankenaufsicht BaFin ein. Die Frankfurter Behörde bestätigte am Dienstag den Erhalt eines Schreibens aus Hannover, eine interne Untersuchung ist eingeleitet worden. Conti moniert eine Verletzung der Meldepflicht, mahnt ein Pflichtangebot an und bittet die BaFin um Aufklärung, sagen mit den Vorgängen vertraute Personen.

Das bislang letzte Gespräch zwischen Conti-Management und Schaeffler endete Dienstagmorgen im Konflikt: Wennemer stellte klar, der Vorstand werde nur einen strategischen Investor mit maximal 20 Prozent akzeptieren. Ein Übergang der Kontrolle sei mit ihm nicht zu machen. Für Schaeffler war diese Position nicht akzeptabel, verfügte das Familienunternehmen doch bereits über den Zugriff auf fast das doppelte Aktienkapital. Conti brach die Gespräche ab.

Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg berief daraufhin am Dienstag das Kontrollgremium ein, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Mitten in die Sitzung platze das Übernahmeangebot. Damit dürfte der Hauptpfeiler von Contis Abwehrtstrategie hinfällig sein. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger erklärte, er erwarte nicht, dass es eine Untersagungserklärung der BaFin für die Offerte geben werde. Alles sei regulär gelaufen, und dies werde Schaeffler nun auch umgehend der BaFin darlegen. Die BaFin betont, die Überprüfung des Übernahmeversuchs habe sich nicht erledigt. Die Behörde prüfe, ob die Mitteilung nicht früher hätte erfolgen müsse, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt.

Schaeffler bietet den Conti-Eignern jetzt 69,37 Euro pro Aktie an. "Die Conti-Papiere haben mehr Potenzial. Wir glauben, das Angebot werden nur wenige annehmen", sagte BHF-Analyst Wunrau. Vorsorglich betonte Schaeffler in seiner Erklärung, das Unternehmen zahle "mindestens jedoch den BaFin-Mindestpreis, sollte dieser höher liegen".

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