Kampf um Arcelor
Mittal gibt sich nicht geschlagen

Der Stahlmagnat Lakshmi Mittal will die Übernahme von Arcelor ungeachtet der jüngsten Fusionspläne des Luxemburger Konzerns vorantreiben. Mittal sei "schockiert" über den neuen Abwehrversuch, wolle das Kaufangebot aber aufrecht erhalten. Indes plant Arcelors russischer Fusionspartner Severstal bereits eifrig die Zukunft des neuen Branchenprimus.

HB PARIS. Seine Offerte brächte den Arcelor-Aktionären mehr Vorteile, sagte der Chef des weltgrößten Stahl-Unternehmens, Lakshmi Mittal, in einem Interview der französischen Zeitung „Le Figaro“. Zudem würde eine größere Industriegruppe gegründet.

Der Stahlunternehmer äußerte sich schockiert über die Fusionspläne von Arcelor und Severstal. Das Arcelor-Management schaffe einen „Aktionärskern, der das freie Spiel des Marktes blockiert und die Kontrolle dieses europäischen Konzerns einer russischen Gesellschaft gibt“, sagte Mittal. „Wir sind entschlossen, unsere Annäherung an Arcelor zu Ende zu führen.“ Das Kaufangebot bleibe bestehen.

Mittal kritisierte weiter, die Arcelor-Führung zwinge „die Aktionäre, die Kontrolle über ihren Konzern aufzugeben, ohne von einer Prämie zu profitieren.“ Die Vereinbarung mit Mordaschow sei „kein Angebot an die Aktionäre“, sondern „eine Übernahme der Kontrolle unterhalb des aktuellen Aktienkurses von Arcelor“, sagte Mittal. „Wenn Mordaschow die Kontrolle von Arcelor will, muss er ein Angebot für die Gesamtheit des Kapitals mit einer Prämie für die Aktionäre vorlegen.“

Mittal Steel hatte sein Gebot für Arcelor vor kurzem deutlich erhöht. Überraschend kündigte der Luxemburger Konzern am Freitag jedoch an, mit dem russischen Konkurrenten Severstal fusionieren zu wollen, um eine feindliche Übernahme durch Mittal zu verhindern. Dem Fusionsabkommen zufolge wird Arcelor mit 44 Euro je Aktie bewertet. Das jüngste Angebot von Mittal liege rund 20 Prozent darunter, sagte Arcelor-Chef Guy Dolle. Er kündigte an, den profitabelsten Stahlkonzern der Welt bilden zu wollen - angestrebt sei ein Betriebsgewinn von zehn Milliarden Euro.

Severstal-Chef Alexej Mordaschow erklärte indes, das fusionierte Unternehmen werde weitere Zukäufe erwägen. „Wir sind dabei, eine starke, effektive Firma zu gründen, die ihren Aktionären überall in der Welt einen Wert geben kann. Natürlich haben wir echte Wachstumspläne“, sagte er zu Journalisten ebenfalls am Samstag. Er erwähnte explizit Russland als möglichen Raum für weitere Übernahmen. Severstal bleibe nach der Fusion ein russisches Unternehmen und werde seine Steuern dort zahlen, fügte Mordaschow hinzu. „Der Schritt hebt die russischen Geschäfte auf eine internationale Ebene. Es ist sehr wichtig, die Interessen Russlands, seiner Bewohner und Aktionäre zu schützen.“

Arcelor und Severstal erwarten die notwendigen Zustimmungen der internationalen Kartellämter bis Mitte Juli. Spätestens in sechs Wochen lägen die Genehmigungen der Aufsichtsbehörden der EU, Russlands und der USA vor, sagte Mordaschow. Die entsprechenden Anträge wolle man Anfang Juni einreichen, kündigte er nach Angaben der Agentur Ria-Nowosti an. Für Mitte Juni sei ein Treffen beider Unternehmen mit Investoren in der nordrussischen Stadt Tscherepowez, dem Hauptsitz von SeverStal, geplant. Am 28. Juni sollen die Arcelor- Aktionär über die Zukunft des luxemburgischen Stahlkochers entscheiden, dessen Führung mit Hilfe von SeverStal eine Übernahme durch den Branchenprimus Mittal Steel verhindern will.

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