Kampf um Conti
Schaeffler taktiert mit der Offerte

Der Familienkonzern Schaeffler dürfte mit seiner Offerte für Continental nach Einschätzung von Experten nur auf eine geringe Resonanz bei den Anlegern stoßen. Die Finanzaufseher interessieren sich dafür umso mehr.

hz/mcs FRANKFURT. "Wenn der Markt nicht kollabiert, werden sich kaum Conti-Aktionäre finden, die ihre Wertpapiere unter Marktpreis abgeben", sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Laut Worten von Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger streben die Franken einen Anteil von mehr als 30 Prozent an, aber nicht notwendigerweise die Mehrheit an Conti.

Schaeffler folgt mit der taktischen Offerte damit dem Weg von Porsche, das 2007 absichtlich ein niedriges Übernahmeangebot für VW vorlegte. Damals dienten die Anleger den Stuttgartern jeweils 0,06 Prozent der Stamm- und Vorzugsaktien an. Auf solch ein Scheitern der Offerte dürfte Schaeffler nun mit seinem Angebot für Conti ebenfalls setzen, denn indirekt haben sich die Franken den Zugriff auf 36 Prozent gesichert.

Nach dem Übernahmeangebot kann Schaeffler die Kontrolle über Conti nach eigenem Zeitplan ausbauen, ohne weitere Kontrollmeldungen und Pflichtangebote vorlegen zu müssen. Eine erneute Mitteilung über den eigenen Anteilsbesitz wäre erst wieder bei Überschreiten der 50-Prozent-Marke fällig.

Auch die Conti-Schulden bremsen die Ambitionen von Schaeffler. Sollte Continental mehrheitlich übernommen werden, haben die Banken das Recht, die Kredite für die erfolgte Übernahme von VDO durch den Autozulieferer neu zu verhandeln. Wegen der Finanzkrise gilt als sicher, dass bei einer Neuverhandlungen deutlich schlechtere Bedingungen drohen würden, als sie Conti ausgehandelt hatte. Das Übernahmeangebot der Franken für den wesentlich größeren Zulieferkonzern legt ein strategisches Dilemma der Franken offen: Eine komplette Übernahme von Conti wäre für sie ein Drahtseilakt, der in den Büchern Spuren hinterlassen würde. Die Verbindlichkeiten würden auf 31 Mrd. Euro in die Höhe schnellen. "Schaefflers Gearing steigt auf 700 Prozent - schwer vorstellbar, dass eine Bank bereit ist, das zu finanzieren", sagte Horst Schneider vom Bankhaus HSBC. Das Gearing bezeichnet die Verschuldung in Relation zum Eigenkapital. Unter Berücksichtigung der reinen Finanzverbindlichkeiten läge es bei 500 Prozent.

Doch die Finanzierung der Franken auch für eine komplette Übernahme von Conti steht. Am Abend verlautete aus Bankenkreisen in London, dass die Kreditinstitute des fränkischen Autozulieferers mit der Platzierung eines Milliardenkredits zur Finanzierung des Kaufs begonnen hätten.

Das Angebot sei solide durchfinanziert, betonte ein Sprecher von Schaeffler. Tatsächlich musste das Unternehmen vor der Finanzaufsicht BaFin belegen, dass es einen Milliardendeal stemmen kann, bevor die Behörde die Offerte freigab. "Wer wie Schaeffler eine Übernahme mit Schulden finanziert, will die irgendwann abtragen. Dazu wären ein Gewinnabführungsvertrag und damit 75 Prozent an Conti nötig", glaubt Aleksej Wunrau von BHF-Bank. Schaeffler betont jedoch, dass kein Gewinnabführungsvertrag geplant sei.

Das Beispiel Porsche beweist indes, dass sich auch schon eine Minderheitsbeteiligung für den Großaktionär auszahlen kann. Außer der VW-Dividende verdiente Porsche im zu Ende gehenden Geschäftsjahr laut Analysten allein 3,5 Mrd. Euro mit seinen Optionen auf VW - und Schaeffler hält Cash-Optionen auf 28 Prozent von Conti.

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