Kampf um den Airbus-Chefsessel entscheidet sich am Donnerstag
Airbus erwartet Gewinnschub vom A380

Heute ist es soweit: Der Airbus 380 soll in Toulouse zum ersten Mal vom Boden abheben – sofern das Wetter es erlaubt. Vom Erfolg des Fluges hängt auch die Zukunft von Airbus und der Muttergesellschaft EADS ab. „Die A380 wird ein Treiber für unseren Umsatz und unseren Gewinn“, sagte gestern ein EADS-Sprecher.

mw/HB MÜNCHEN. Konkurrent Boeing bezweifelt, dass Airbus jemals mit dem doppelstöckigen Flugzeug Geld verdienen wird. Eine von dem Konzern beauftragte wissenschaftliche Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Europäer im Lebenszyklus der A380 bis zu acht Mrd. Dollar Verlust machen werden. Die A 380 sei eine Zeitbombe für Airbus.

„Reine Propaganda“, heißt es bei der EADS. Boeing wolle nur nachträglich erklären, warum man Airbus das größte Flugzeugsegment kampflos überlasse.

An den Spekulationen, wann Airbus wie viel Geld verdienen wird, war die Konzernspitze aber auch selbst Schuld. Der monatelange Machtkampf um die Führung bei der Konzernmutter EADS wurde zum Teil über die A380 ausgetragen. Einer der beiden scheidenden EADS-Chefs, der Deutsche Rainer Hertrich, überraschte Ende 2004 mit der Aussage, Entwicklung und Bau des Airbus würden 1,45 Mrd. Euro mehr kosten als erwartet, die Gesamtkosten des Projektes beliefen sich auf zwölf Mrd. Euro.

Der künftige EADS- und Noch-Airbus-Chef Noël Forgeard konterte, es handele sich nur um eine Schätzung, noch lasse sich gegensteuern. Aber EADS relativierte die Prognose, die A380 fliege ab einer Stückzahl von 250 in Gewinne ein, inzwischen deutlich – wegen des schwachen Dollars gelte jetzt 250 plus minus zehn Prozent; und bleibt der Euro-Kurs über Jahre bei 1,30 Dollar, könne sich die Gewinnschwelle in Richtung von 300 Stück verschieben. Die Mehrkosten für das Projekt begründet der Konzern vor allem damit, dass zwei Frachtversionen entwickelt werden mussten, Airbus mehr in Lärmschutz investierte und die Systementwicklung mehr Geld verschlang.

Die Welt schaut auf den Erstflug

Nach Ansicht von Branchenexperten hält sich das Projekt aber durchaus im Rahmen. Auch die Verzögerung des Erstfluges um mehrere Wochen sei bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht tragisch. Bislang hat Airbus 154 feste Bestellungen für den Riesen. Erstkunde wird Singapore Airlines, die Auslieferung soll im zweiten Halbjahr 2006 beginnen. Laut Liste kostet eine A380 je nach Ausführung um die 260 Mill. Euro – rund 50 Mill. Euro mehr als der Jumbo von Boeing, den die A380 bei den Bestellungen aus dem Markt gedrängt hat.

Wer Forgeard an der Airbus-Spitze folgen wird, entscheidet sich am Donnerstag auf der Sitzung des EADS-Aufsichtsrates. Favoriten sind Eurocopter-Chef Fabrice Bregier und Airbus-Produktionschef Gustav Humbert.

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