Kampf um Endesa
Eon muss in Spanien neu kalkulieren

Der Übernahmekampf zwischen Eon und Gas Natural um den spanischen Stromkonzern Endesa bleibt in der Schwebe: Nachdem die spanische Energieaufsichtsbehörde CNE Eons 27 Mrd. Euro teure Offerte nur unter schweren Auflagen gebilligt hat, muss der deutsche Energiekonzern scharf kalkulieren, ob sich die Übernahme trotzdem rechnet.

DÜSSELDORF. Parallel lotet er die juristischen Optionen aus. Nach Informationen des Handelsblatts wird er vermutlich als ersten Schritt zumindest eine Beschwerde beim spanischen Industrieministerium einlegen. Nach Ansicht von Analysten muss Eon letztlich aber die schmerzhaften Auflagen gegen die drohende Zeitverzögerung durch einen langwierigen Rechtsstreit abwägen. Viele Branchenexperten halten die Offerte trotz der Auflagen für vertretbar und werten die Entscheidung zumindest als Teilerfolg für Eon.

Spanien hat Eon aber schwere Steine in den Weg gelegt. Die CNE hat die 27 Mrd. Euro teure Offerte zwar entgegen ersten Drohungen nicht komplett blockiert. Sie nannte aber insgesamt 19 Bedingungen. Die Behörde begründete dies mit der Versorgungssicherheit, die sie gewährleisten müsse. Das politisch besetzte Gremium stand allerdings auch unter großem Druck der Regierung, die der Offerte von Deutschlands größtem Energiekonzern kritisch gegenüber steht. Als Eon-Chef Wulf Bernotat die Offerte im Februar präsentierte, konterte er schließlich ein feindliches Gebot des größten spanischen Gasversorgers Gas Natural, das zwar um rund sieben Mrd. Euro niedriger liegt, aber von der Regierung unterstützt wird. Diese reagierte prompt, erweiterte per Dekret die Befugnisse der CNE und ermächtigte die Behörde, Eons Pläne zu prüfen und gegebenenfalls zu blockieren. Sie riskierte dafür sogar einen Streit mit der EU-Kommission, die Spanien Protektionismus vorwirft.

Nach den Auflagen der CNE müsste Eon bei einem Kauf des größten spanischen Stromkonzerns unter anderem Endesas Geschäft auf den Balearen und den Kanaren verkaufen und zahlreiche Beteiligungen an Kern- und Kohlekraftwerken veräußern. Insgesamt müsste Eon rund ein Drittel der Stromerzeugungskapazitäten in Spanien abgeben.

Eon will den rund 350 Seiten starken Bescheid nun ausführlich prüfen. Der Konzern betonte zwar, dass er der Transaktion weiterhin große Bedeutung beimesse. Er stellte aber gleichzeitig klar, dass er die Auflagen für ungerechtfertigt halte und sich rechtliche Schritte vorbehalte.

„Die Auflagen sind wie erwartet hart“, sagte Analyst Peter Wirtz von der WestLB. Endesa würde in Spanien rund zehn Prozentpunkte an Marktanteilen verlieren und mit 30 Prozent hinter Iberdrola zurück fallen. Nach seinen Worten rechnet sich die Übernahme dennoch. Endesa wäre immer noch eine starke Nummer zwei und würde Eon Aktivitäten in Italien, Frankreich und Südamerika bringen. „Endesa bietet Eon trotzdem überdurchschnittliche Wachstumsraten“, sagte Wirtz.

Seite 1:

Eon muss in Spanien neu kalkulieren

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%