Kampf um Führung des Luftfahrtkonzerns
EADS-Co-Chef Hertrich gibt sein Amt auf

Das Gerangel um die EADS-Doppelspitze fordert sein erstes Opfer. Co-Chef Hertrich tritt einem Bericht zufolge den Rückzug an und soll durch einen Vertrauten des Großaktionärs DaimlerChrysler ersetzt werden.

HB BERLIN. Im Streit um die Führung des internationalen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS hat Co-Chef Rainer Hertrich seinen Rückzug angetreten: Schon vor Wochen habe er dem Anteilseigner DaimlerChrysler mitgeteilt, dass er mit Ablauf seines Vertrages Mitte nächsten Jahres seinen Hut nehmen will, berichtet das Magazin «Spiegel» am Wochenende vorab ohne Angabe von Quellen. Hertrich begründete dies mit der schwierigen Zusammenarbeit mit Noel Forgeard, dem Chef der EADS-Tochter Airbus.

Der Vorstand des Autobauers, der mit 30 Prozent an dem Luftfahrtunternehmen beteiligt ist, habe daraufhin am vergangenen Mittwoch beschlossen, dass Thomas Enders an die EADS-Spitze aufrücken soll, hieß es. Enders ist bisher für das EADS-Rüstungsgeschäft verantwortlich und gilt als Vertrauter von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp. Hertrich hat seit Juli 2000 den Chefposten bei EADS inne und führt das Unternehmen bisher gemeinsam mit dem Franzosen Philippe Camus.

Von DaimlerChrysler war zu Hertrichs angeblichem Rückzug keine Bestätigung zu erhalten. «Entscheidungen über personelle Veränderungen an der Spitze der EADS sind in den EADS-Gremien noch nicht gefallen», sagte ein DaimlerChrysler-Sprecher in Stuttgart auf Anfrage.

Ein EADS-Sprecher bestätigte jedoch am Samstag, Hertrich wolle seinen Vertrag nicht verlängern. Dessen Entscheidung habe aber nichts mit Berichten über einen Machtkampf in der EADS-Führung zu tun. Vielmehr habe Hertrich bereits im Frühsommer entschieden, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen, sagte der Sprecher.

Hintergrund der Auseinandersetzungen ist ein Kampf um die EADS-Führung. Im Gespräch mit dem Magazin «Wirtschaftswoche» hatte Hertrich Forgeard Machtstreben vorgeworfen. Dieser wolle alleiniger EADS-Chef werden und benutze den Posten als EADS-Chef nur als «Sprungbrett für seinen persönlichen Ehrgeiz». Dabei genieße er das Wohlwollen von Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac. An Schrempps Veto war allerdings Frankreichs Versuch gescheitert, die EADS-Doppelspitze abzulösen und Forgeard an der Spitze des Unternehmens zu installieren.

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