Kampf um Kapazitäten
Wie sich die Chinapolitik der Sportindustrie rächt

Um leere Regale zu vermeiden, müssen Händler schon jetzt Bestellungen für 2012 aufgeben. Denn: Die Werke in Fernost haben kaum noch freie Kapazitäten. Und auch die Zeiten der Billigproduktion nähern sich ihrem Ende.
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MünchenHellseher ohne feste Anstellung sollten sich in diesen Tagen am besten bei der Sportindustrie bewerben. Dort werden ihre Fähigkeiten dringend gebraucht. Denn so früh wie nie müssen Sportmarken und Händler in diesem Jahr ihre Ware bei den Produzenten in China bestellen. Sonst drohen ihnen leere Regale im Sommer 2012.

„Es wird immer schwieriger, Hersteller in China zu finden“, klagt David Udberg, Chef des Outdoor-Branchenverbands EOG. Zunehmend fertigen die Fabrikanten in der Volksrepublik für die Kundschaft im eigenen Land oder in anderen aufstrebenden Nationen Asiens. Weil die Menschen in der Region immer mehr Geld in der Tasche haben, kaufen sie öfter neue Turnschuhe, T-Shirts und Badehosen. Zudem entstehen junge, einheimische Sportmarken. Die Abnehmer aus Europa und Amerika hingegen müssen sich gedulden.

Jetzt rächt sich, dass viele Sportartikelanbieter seit gut zwei Jahrzehnten fast nur in China produzieren lassen. Um Kapazitäten in den Werken zu ergattern, müssen die Abnehmer schon weit im Voraus bestellen. „Die Vorlaufzeiten werden immer länger“, sagt Michael Gyssler, Marketingchef des Schweizer Outdoor-Labels Mammut.

Doch wie wird das Wetter im nächsten Sommer? Wie wird es um die Konjunktur 2012 bestellt sein? Und vor allem: Welche Vorlieben wird die Kundschaft dann haben? Auf all diese Fragen müssen die Sportartikelfirmen heute schon eine Antwort geben.

Den Druck aus China reichen die Sportmarken an die Sporthändler weiter. Auch die Ladenbesitzer müssen bereits jetzt disponieren. Dabei ist die Sommersaison 2011 noch in vollem Gange. Die Inhaber wissen heute gar nicht, ob sie auf Ware sitzen bleiben und wie viel Geld sie in der Kasse haben werden.

Das hängt vor allem vom Wetter ab: Wird der August regnerisch, sind Jacken und feste Schuhe gefragt. Ist es heiß und trocken, reißen sich die Kunden um Bademode, die teure und margenträchtigere Allwetterausrüstung hängt dagegen wie Blei an den Ständern.

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Kommentare zu " Kampf um Kapazitäten: Wie sich die Chinapolitik der Sportindustrie rächt"

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  • mhhh...ich denke mal, das das nicht bei der "Sportindustrie" bleiben wird sondern langfristig die gesamte Bekleidungsindustrie betreffen wird. Billigproduktion bleibt eben nur solange billig, bis die Nachfrage die Kapazitätsgrenze erreicht.

    Aber vielleicht bekommt man dann ja bald auch in unseren Warenhäusern wieder Bekleidung wo "Made in Germany" draufsteht. Wäre mal was neues ;-)))

  • ... rächt sich die Chinapolitik der Sportkonzerne....
    Ha, ha, ha,
    recht geschieht ihnen, wären sie doch hiergeblieben
    :-)

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