Kampf um Marktführerschaft: 2011 wird das Jahr der großen Unternehmensduelle

Kampf um Marktführerschaft
2011 wird das Jahr der großen Unternehmensduelle

Nach der Krise ist vor der Entscheidungsschlacht. In wichtigen Märkten wird 2011 die Frage der Marktführerschaft neu entschieden - und dabei müssen selbst sicher geglaubte Bastionen hart verteidigt werden. Auch deutsche Konzerne wie Volkswagen und Siemens melden Anspruch auf den Thron an.
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DÜSSELDORF. Autokönig Akio Toyoda will seinen Spitzenplatz nicht räumen. Nicht freiwillig, nicht jetzt - und auf keinen Fall will der Japaner ihn an die Deutschen abgeben. "Rein theoretisch ist die Produktion von Autos in Japan nicht wettbewerbsfähig", räumt der Toyota-Chef zwar offen ein. Aber es sei nicht entscheidend, "wo wir produzieren, sondern wie".

Die Selbstermutigung gilt als Erwiderung jener Kampfansage, die der Chef von Volkswagen in diesem Jahr ausgesprochen hat. Die Wolfsburger wollen Toyota als weltgrößten Automobilkonzern vom Thron stürzen - spätestens 2018 soll es so weit sein. Die Grundlagen für die Wachablösung werden aber schon im nun beginnenden Jahr gelegt. "Der Volkswagen-Konzern greift an", so Martin Winterkorn. Gemeinsam mit Porsche entstehe ein Unternehmen, das "mit seiner Strahlkraft, Profitabilität und Innovationskraft der beste Autobauer der Welt sein wird".

Beide Herren, Toyoda und Winterkorn, haben ihre Rechnung möglicherweise ohne General Motors (GM) gemacht. Der totgeglaubte amerikanische Autogigant meldete sich in diesem Jahr als ernst zu nehmender Spitzenkandidat zurück. Der erfolgreiche Börsengang, bei dem 23,1 Milliarden Dollar erlöst wurden, sorgt für die nötige Antriebsenergie. "Wir sind zufrieden mit dem Auftakt", resümierte GM-Chef Daniel Akerson am 18. November auf dem Parkett der New Yorker Börse, wo er umringt und bejubelt von Mitarbeitern die spektakuläre Rückkehr GMs feierte. Bereits einen Tag zuvor sagte der 78-jährige Robert Lutz, bis Ende April Vize-Verwaltungsratschef von GM, den optimistischen Satz: "I think GM is back."

Nach dem Jahr der Krisenbewältigung wird 2011 das Jahr der Angreifer. Das gilt für die Autoindustrie genauso wie für die Luftfahrt, den Pharmasektor, die Computerbranche, die Telekommunikation oder die Banken. "Krisen und wachstumsschwache Zeiten münden häufig in einer Innovationswelle", sagt Daniel Stelter, Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).

In seinem gerade erschienenen Buch "Nach der Krise ist vor dem Aufschwung" kommen Stelter und sein Mitautor David Rhodes zu dem Schluss, dass offensive Unternehmen jetzt die Chance haben, "zögerlichen Wettbewerbern, die zu spät bemerken, dass es keine Rückkehr zu alten Realitäten gibt", den Rang abzulaufen.

Das nötige Geld für den Angriff haben viele von ihnen in der Kasse - denn: die Gewinne der Unternehmen sprudeln wieder kräftig. Dabei schwimmen die deutschen Konzerne noch mehr im Geld als ihre amerikanischen Gegenüber. Per 30. September dieses Jahres türmten sich die Bargeldbestände und Wertpapiere der 30 Dax-Konzerne auf 138,4 Milliarden Euro.

Fakt ist: Die Manager sind im nächsten Jahr wieder angriffslustig, manche sogar wie im Kaufrausch. "Das Jahr 2010 ist ein Übergangsjahr im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen gewesen. Das gilt gerade für Deutschland", sagt Holger Bross, Deutschland-Chef von Bank of America Merill Lynch. 2011 wird das Volumen bei M&A hier mindestens um 25 Prozent auf mehr als 100 Milliarden Euro steigen. Anders als in diesem Jahr soll am Ende der vielen erwarteten Akquisitionsgespräche aber auch tatsächlich der Abschluss der Deals stehen.

Im nächsten Jahr müssen sich auch die Chefs, die gerade frisch im Amt sind oder 2011 erst antreten, beweisen. Mit Roland Koch übernimmt ab Sommer ein ehemaliger Vollblutpolitiker, der im Kabinett von Bundeskanzlerin Merkel keine Chance bekam, die Führung bei Bilfinger Berger. Er soll das angeschlagene Image des Baukonzerns aufpolieren und den Wandel zum Dienstleistungskonzern vorantreiben. Dagegen will der frühere SAP-Chef Léo Apotheker, seit Oktober Kopf des amerikanischen IT-Konzerns Hewlett Packard, das Softwaregeschäft ausweiten - und muss gegen alte Lasten kämpfen. Viele sehen die Berufung des bei SAP Weggejagten als eine zweite Chance. Und natürlich Johannes Teyssen. Der promovierte Jurist arbeitet bereits seit zwei Jahrzehnten bei Eon, im Mai rückte er an die Spitze des Energiekonzerns. Er muss vor allem die Kosten drastisch senken und sich mit der Gewerkschaft Verdi gut stellen.

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  • Die Krise hat den Unternehmenskonzentrationsprozess enorm beschleunigt. in vielen ohnehin schon nur von ein paar sehr großen Konzernen dominierten branchen hat sich das Wachstum der Größten durch Übernahmen nochmals beschleunigt. Das freut investmentbanker und Anleger, aber für die Weltwirtschaft erwachsen daraus zunehmend große Risiken:

    Erstens werden ganze Volkswirtschaften in zunehmendem Maße von solchen Riesenkonzernen abhängig. Sollte die Weltwirtschaft erneut einbrechen, wird angesichts von Umsatzeinbrüchen von möglicherweise mehr als 20 oder 30 Prozent, wie wir sie nach der Lehman-Pleite erlebt haben, das plötzliche Wanken solcher Riesen kleiner Staaten ins Schleudern bringen können. Ein gutes beispiel sind die Großbanken UbS und Credit Suisse in der Schweiz, deren bilanzsumme das biP des Landes erheblich übersteigt.

    Zweitens bilden bedingt durch die hohe wirtschaftliche Abhängigkeit der Volkswirtschaften von sehr großen Konzernen mit der aktuellen M&A-Welle zunehmend nicht nur im bankensektor, sondern auch in anderen branchen „Too big To Fail“-Fälle.

    Drittens bedeutet eine solche Marktmachtkonzentration praktisch das Aus für wirksamen Wettbewerb. Wirksamer, d. h. dynamisch-innovativer Wettbewerb findet anders als Daniel Stelter von bCG meint, auf von wenigen Konzernen dominierten Märkten oft praktisch nicht mehr statt (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/09/kapitalismus-in-der-krise-abschied-von.html ). Die Konzerne verfolgen vielmehr eine Politik des „leben und leben lassen“. Preiserhöhungen können teilweise – oft mit Unterstützung der Spekulanten – nach belieben durchgesetzt werden und das sogar trotz Krise und schwacher Nachfrage. Wir erleben das nicht nur bei bHP, Rio Tinto und Co., sondern auch bei den Ölkonzernen sowie den Strom- und Gaskonzernen.

    Seit vier Dekaden wird die Entstehung von immer größeren „National Champions“ industrie- und wirtschaftspolitisch in den industriestaaten nunmehr gefördert (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/05/meganotfusionen-tragen-nicht-zur.html). Es spricht viertens einiges dafür, dass gerade diese durch die Dominanz weniger Konzerne gekennzeichneten Marktstrukturen, eine zentrale Ursache für die Finanzmarktkrise sind und ebenso für die hohe latente instabilität der Weltwirtschaft. Schon nach der Lehman-Pleite hat sich deutlich gezeigt, dass dadurch gerade die großen, global operierenden Konzerne in größte Schwierigkeiten geraten sind und teilweise staatlich gestützt werden mussten.

    Das kann wieder geschehen. Wenn es einen neuen Crash geben sollte, was angesichts der Vielzahl von Risiken niemand ausschließen kann, könnte der dann folgende abrupte Absturz der Weltwirtschaft nicht nur dazu führen, dass große Konzerne wanken (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/10/was-geschieht-wenn-die-nachste-groe_28.html). Sie könnten beim nächsten Mal durchaus auch kippen und es ist fraglich, ob die hoch verschuldeten Staaten überhaupt in der Lage sein würden, sie aufzufangen.

    Das Übernahmefieber könnte sich folglich sowohl für die Konzerne als auch für die Anleger rächen.

  • bis Ende des Jahrhunderts wird es nur noch eine Handvoll Konzerne geben, die sich die Welt aufteilen. Es sei denn der Kommunismus in moderner Form tritt wie in China zu Tage. Wir Menschen sind und werden nicht begreifen, dass dieser Planet eine
    Einbahnstrasse ist und wir uns weder beeilen müssen 5 Handy in der Tasche zu haben und Arbeiten so schnell zu erledigen als wenn es um Leben oder Tod geht. Eines tages wird es Pflicht sein sich in Schweisriechenden Fitnesscentern so fit zu machen um den Druck am Arbeitsplatz zu überstehen. Was waren die Menschen frei, die mit Pfeil und bogen und Keule durch die Wälder streiften. Sie brauchten keine eigene Pharmaindustrie um den entsätzlichen Hunger nach allerlei Aufputschmitteln zu befriedigen. Ein einziger Stein von 10 KM Grösse
    könnte den Planeten von uns befreien. beten wir darum.

  • Verführerische Religion (Matthäus 24, 4) – das erste Siegel oder der erste der vier Reiter [der Apokalypse];
    Kriege (Matthäus 24, 6-7) – das zweite Siegel oder der zweite der vier Reiter;
    Hungersnöte (Matthäus 24, 7) – das dritte Siegel oder der dritte der vier Reiter;
    Seuchen (Matthäus 24, 7; Lutherbibel 1912) – das vierte Siegel oder der vierte Reiter;
    bedrängnis, religiöse Verfolgung und Martyrium (Matthäus 24, 9-10) – das fünfte Siegel.

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