Kampf um Schering
Merck geht es ums Geld

Mittwoch endet die von Bayer gesetzte Frist, in der Schering-Aktionäre ihre Anteile andienen können. Doch Konkurrent Merck funkt bei der Übernahme dazwischen - jedoch nicht aus gekränkter Eitelkeit wegen des vor Monaten verlorenen Bieterkampfs um Schering oder weil die Darmstädter das Unternehmen nun doch kaufen wollten. Der Grund ist profan.

hof/sle/rob/HB FRANKFURT. Mit dem Kauf von Schering-Aktien an der Börse will der Pharma- und Chemiehersteller Merck den Bayer-Konzern offenbar zu einem höheren Angebot für das Berliner Unternehmen zwingen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen zielt Merck dabei auf einen Preis von mehr als 90 Euro je Schering-Aktie. Es gehe nicht wie vielfach spekuliert darum, die Fusion auf jeden Fall zu blockieren.

Bayer bietet bisher 86 Euro je Schering-Aktie. Am Dienstag kündigten die Leverkusener an, Zukäufe oberhalb dieser Marke zu erwägen. Lässt sich der Konzern auf die noch höhere Preisvorstellung der Darmstädter ein, ist er laut Übernahmerecht gezwungen, allen Aktionären den höheren Preis zu zahlen. Der Gesamtpreis für Schering würde dann wohl um mindestens 800 Mill. auf deutlich mehr als 17 Mrd. Euro steigen.

Da Merck die ersten Anteile bereits ab Januar kaufte, bewegt sich der durchschnittlich gezahlte Einkaufspreis bei 78 Euro je Aktie. Bei einem Verkauf an Bayer zum Preis von 86 Euro je Aktie würde Merck einen Veräußerungsgewinn von brutto 280 Mill. Euro einstreichen. Der Konzern zielt jedoch darauf, einen höheren Preis für das Paket durchzusetzen.

Wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr, hat Bayer inzwischen telefonisch Kontakt mit Merck aufgenommen, aber noch keine Bereitschaft zu Zugeständnissen signalisiert. Sprecher der beiden Unternehmen wollten zur Situation im Übernahmekampf gestern nicht Stellung nehmen. Ohne eine Einigung mit Merck hat die Offerte von Bayer, die Mittwoch um Mitternacht ausläuft, nach Einschätzung von Analysten kaum noch Aussicht, die angestrebte Dreiviertelmehrheit zu erreichen.

Bis Montag hatte Bayer an der Börse 23,36 Prozent der Schering-Aktien erworben. Insgesamt kann das Unternehmen durch die Andienung anderer Aktionäre zum Stichtag Montag-Nachmittag auf 60,15 Prozent der Anteile zählen; am Freitag waren es noch 61,52 Prozent, das heißt einige Anteilseigner haben ihre Zusagen zurückgezogen. Offenbar spekulieren sie auf einen Bieterkampf mit entsprechend höherem Preis. Bayer hatte am Freitag nach Bekanntwerden der Merck-Aktion damit begonnen, Schering-Aktien an der Börse zu kaufen, um die geplante Milliardenübernahme doch noch unter Dach und Fach zu bringen.

Merck kaufte am Montag ebenfalls weitere Aktien hinzu und steht nun kurz vor einer Sperrminorität von 25 Prozent. Ende vergangener Woche lag der Anteil noch bei 18,6 Prozent; jetzt sind es 20,71 Prozent. Die am Montag erworbenen Titel seien zu je 86,06 Euro gekauft worden, teilte Merck mit. Der Preis liegt knapp über dem offiziellen Bayer-Angebot von 86 Euro. Die Schering-Aktie war am Montag zunächst unter Druck geraten, notierte am frühen Abend aber wieder bei über der Marke.

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