208 Seiten umfasst das Schwarzbuch Tierfutter, dessen Cover mit einer lilafarbenen Bordüre an einen Whiskas-Napf erinnert, – offenbar 208 Seiten zu viel für den Futterhersteller Masterfoods, dem schon die paar Sätze aus der Werbung reichten. Die Aussagen seien falsch und geschäftsschädigend heißt es in der Verdener Firmenzentrale. Man verarbeite ausschließlich „Materialien von gesunden Schlachttieren, die laut amtlicher Fleischbeschau für die menschliche Ernährung tauglich sind.“
Die Heimtierbranche boomt; in etwa jedem dritten Haushalt lebt ein Tier. Rund 2,1 Mrd. Euro geben Deutschlands Tierfreunde jährlich für industriell hergestelltes Futter aus. Gleichzeitig verschärfen zunehmend No-Name-Produkte den Kampf um den Kunden. Das spürt auch der zum Mars-Konzern gehörende Branchenprimus Masterfoods, der bereits eine Umstrukturierung samt Stellenabbau hinter sich hat. Ist die Empfindlichkeit deshalb gewachsen? „Nein“, sagt Masterfoods-Sprecherin Margrit Kolbe-Hopp. „Wir behalten uns grundsätzlich vor, gegen verleumderische Behauptungen vorzugehen. Bei uns ist Qualität oberstes Gebot.“
Tatsächlich ist das Schwarzbuch für die Branche starker Tobac und Autor Grimm nicht irgendwer. Seit Jahren nimmt er Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelproduktion publizistisch aufs Korn, von Bio bis zu den Zusatzstoffen. Seine Bücher wurden Bestseller. Deutschlands wohl berühmtester Gastrokritiker Wolfgang Siebeck („Die Zeit“) urteilte: „Grimm ist ein Journalist von der investigativen Sorte, und was er gründlich untersucht, das sind die Produkte der Nahrungsmittelindustrie, über die wir uns alle noch viel zu viele Illusionen machen.“ Ob dieser Ritterschlag hilft?
Auch der Verlag Zsolnay hat inzwischen Juristen eingeschaltet. „Wir gehen davon aus“, heißt es in der Wiener Zentrale, „dass das, was in Grimms Buch steht, stimmt.“ Erscheinungstag offen.

