Kampfansage
Stadtwerke-Konsortium greift Eon und RWE an

Die Kommunalversorger wollen groß in die Stromproduktion einsteigen. Dafür haben sich nun fünf Stadtwerke zu einem Konsortium zusammen geschlossen. Sie wollen nicht weniger als die Dominanz des Energieriesen RWE im Ruhrgebiet brechen.
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DÜSSELDORF. Fünf Stadtwerke im Ruhrgebiet wollen zur einer neuen Kraft auf dem deutschen Energiemarkt werden. Die enge Kooperation, in deren Zentrum der Kauf des Stromerzeugers und Kraftwerkbauers Steag steht, zielt darauf ab, die nationale Dominanz der Branchenriesen Eon und RWE zu brechen.

Ein vertrauliches Papier, mit dem die Stadtwerke um die Zustimmung der kommunalen Parlamente für ihre Steag-Pläne werben und das dem Handelsblatt vorliegt, enthält "die Vision, die größte deutsche Erzeugungsplattform im konventionellen als auch regenerativen Bereich zu schaffen". Dabei soll es aber nicht bleiben. Die Nähe der Stadtwerke zueinander sei eine ideale Basis für vielfältige Kooperationen.

Im Bieterverfahren um die Steag, den fünftgrößten Stromproduzenten in Deutschland, gelten die Kommunalversorger als Favorit. Der Mischkonzern Evonik will bis Jahresende 51 Prozent seiner Anteile verkaufen. Die Stadtwerke aus Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken haben dafür eine Offerte über 600 Millionen Euro abgegeben, heißt es in Branchenkreisen. Mit im Rennen ist noch die tschechische Energieholding EPH.

Die Konsortialpartner, über deren Vorhaben zuerst die Zeitungen der WAZ-Gruppe berichteten, sehen im Kauf der Steag "die einzigartige Chance, ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern". Das Problem der Stadtwerke: Sie sind traditionell stark im Vertrieb, aber schwach in der Stromproduktion.

Mit dem Kauf der Steag würde sich das ändern. Die Steag betreibt acht Steinkohle- und zwei Raffineriekraftwerke in Deutschland und drei Steinkohlekraftwerke in Kolumbien, in der Türkei und auf den Philippinen. Erhalten die Kommunen den Zuschlag, soll die Steag Teil eines "Versorger-Netzwerks" eigenständiger Unternehmen sein. Der Zukauf könne "eine ökonomisch starke Stütze der Region Rhein-Ruhr sein". Bochum und Gelsenkirchen würden ihren Gas- und Wasserversorger Gelsenwasser einbringen. Mit der Steag könnten größere Projekte bei erneuerbaren Energien angegangen werden. Oder die Partner könnten für Kunden Kraftwerke bauen oder Anteile an Kraftwerken vermarkten.

Besonders kritisch dürfte der Essener RWE-Konzern das Vorhaben verfolgen. Die Stadtwerke sind nicht nur in seinem Stammgebiet tätig, sondern die Kommunen wollen nach WAZ-Informationen ihre Konzessionsverträge, die den Betrieb von Stromnetzen erlauben, mit RWE nicht verlängern.

Die Pläne zeugen vom gestiegenen Selbstbewusstsein der Kommunalversorger. Immer mehr Städte und Gemeinden nehmen Netzkonzessionen zurück, gründen wieder eigene Stadtwerke oder fusionieren. 2009 kauften vier Regionalversorger für drei Milliarden Euro das Stadtwerke-Netzwerk Thüga.

Noch sind die Ruhrgebiets-Stadtwerke nicht am Ziel: Evonik verlange, dass der Käufer der ersten Tranche schon jetzt den Erwerb der restlichen 49 Prozent fest zusage, heißt es in Verhandlungskreisen. Dabei zögern die Stadtwerke.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur

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