Kampfjet
Eurofighter kämpft mit Kunden

Briten und Italiener prüfen eine Reduzierung ihrer Neubestellungen für den Kampfjet Eurofighter. „Die beiden Länder haben Informationen angefordert, die auch die Reduktion von Stückzahlen vorsehen“, sagte Aloysius Rauen, Geschäftsführer des Eurofighter-Konsortiums im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ende dieser Woche will Eurofighter seinen vier Auftragsnationen ein Angebot für die dritte Liefertranche über 236 Maschinen zuschicken.

MÜNCHEN. Briten, Italiener, Deutsche und Spanier bauen das Kampfflugzeug gemeinsam. Ein Rahmenvertrag regelt die Partnerschaft über Entwicklung, Produktion und Absatz. Dieser sieht den Kauf von insgesamt 620 Maschinen durch die vier Nationen vor, geliefert wird in drei Tranchen bis zum Jahr 2017. Die erste Tranche ist bereits im Bau und zum Teil ausgeliefert, die zweite ist von den beteiligten Regierungen genehmigt. Um das finale Paket von 236 Maschinen zeichnet sich jetzt aber ein massives Feilschen ab. „Die Hürden für einen Ausstieg sind hoch“, sagt Rauen. „Wenn eine Nation aussteigt, muss sie die anderen schadlos halten.“

Denn die Preise auch für die bereits gelieferten und bestellten Maschinen sind auf eine garantierte Stückzahl von 620 Maschinen kalkuliert. Sollte die garantierte Stückzahl sinken, steigt der sogenannte „Systempreis“, der Lieferung, Training und Wartung umfasst. Der liegt derzeit bei rund 120 Mill. Euro pro Maschine. Berlin, Madrid aber auch die Industrie könnte die gestiegenen Kosten bei Briten und Italienern einfordern. Das gilt auch für die bereits 136 ausgelieferten Maschinen, die auch in Geschwadern der Bundeswehr schon im Einsatz sind.

Dennoch liebäugeln London und Rom mit Kürzungen. Milliardensummen stehen im Raum. Die Briten prüfen, ob sie statt 88 Eurofightern jetzt nur noch halb so viele nehmen. Auch die finanziellen Konsequenzen für einen Totalausstieg werden in dem Angebot durchgerechnet. Italien, ursprünglich mit 46 Maschinen am letzten Los beteiligt, will ebenfalls reduzieren. Deutschland und Spanien hingegen wollen bei ihrer Bestellung bleiben.

„Eurofighter sitzt auf sehr guten Verträgen“, sagt ein Brancheninsider. Wie schwierig ein Ausstieg ist, zeigt das Beispiel Österreich. Die Alpenrepublik versuchte vergeblich, von dem Vertrag über die Lieferung von zunächst 18 Maschinen zurückzutreten. Am Ende bestellte Wien dann doch 15 Exemplare.

Der Export des Kampfjets in Drittländer reduziert die Abnahmeverpflichtungen der Auftragsnationen nicht. Nach schleppendem Start kommt das Exportgeschäft auf Touren. Im Sommer unterzeichnete Saudi-Arabien den Kauf von 72 Eurofightern und sichert den am Konsortium beteiligten Firmen EADS, BAE-Systems und der Finmeccanica-Tochter Alenia Milliardenumsätze. Auch der Münchener Triebwerkslieferant MTU reibt sich die Hände: Am Freitag bezifferte MTU das Umsatzvolumen für die Bestellung aus dem Nahen Osten auf 310 Mill. Euro.

Damit liegen jetzt für insgesamt 707 Maschinen feste Bestellungen oder Zusagen aus dem Rahmenvertrag vor. Auch in Indien, Japan, Rumänien, Griechenland und der Türkei hofft Eurofighter aus Exporterfolge. „Es ist unser Ziel, am Ende 1 000 Maschinen weltweit zu verkaufen“, sagt Rauen. Damit ist der Eurofighter weltweit der härteste Konkurrent der US-Rüstungsindustrie.

Doch die übt nun offenbar massiv Druck auf Briten und Italiener aus. Denn deren Rüstungskonzerne BAE Systems und Alenia fahren zweigeleisig. Beide sind ebenfalls Mitglied im Konsortium des amerikanischen Eurofighter-Konkurrenten „Joint Strike Fighter“. Der unter der Federführung von Lockheed Martin entwickelte JSF soll ab 2012 ausgeliefert werden, doch technische Probleme und zuletzt dramatisch steigende Kosten machen den JSF-Partnern immer mehr zu schaffen. Trotz der enormen Schwierigkeiten wollen die Amerikaner aber in den kommenden Monaten verbindliche Abnahmegarantien der europäischen Partner.

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