Kanadier attackieren Boeing und Airbus im Markt für große Regionalflugzeuge
Bombardier macht Weg für neuen Jet frei

Die Führung des kanadischen Luftfahrt- und Bahntechnikkonzern Bombardier hat am Dienstag den Weg zur Entwicklung einer neuen Flugzeugserie freigegeben. Dabei geht es um einen Jet mit 110 bis 130 Sitzen.

OTTAWA/DÜSSELDORF. Das Board of Directors gab der Abteilung Bombardier Aerospace die Ermächtigung, die neue Serie Kunden anzubieten. Diese so genannte „Authorisation to offer“ sei ein wichtiger Schritt in dem Prozess, der zu der neuen Serie führen könne, erklärte das Unternehmen in Montreal.

Die Entwicklung des C-Serie genannten neuen Modells soll zwei Milliarden US-Dollar kosten, von denen ein Drittel die Regierungen Kanadas und der Provinz Quebec tragen sollen. Ein weiteres Drittel sollen Partner aus der Zulieferindustrie aufbringen. Bombardier schätzt den Markt für Flugzeuge mit 100 bis 150 Sitzen auf 250 Mrd. Dollar in den kommenden 20 Jahren. Davon möchte der drittgrößte Flugzeughersteller der Welt die Hälfte erobern. Auslieferungen des Flugzeugs könnten im Jahr 2010 beginnen.

„Bombardier steht vor einer kritischen Entscheidung“, urteilte Karl Moore, Luftfahrtexperte und Professor für Unternehmensführung an der McGill-Universität in Montreal kurz vor dem Votum. „Ohne einen 110- bis 130-Sitzer würde Bombardier sein Regionaljet-Geschäft gefährden.“ Denn das Kerngeschäft der 50-Sitzer läuft weiter schwach, der Verkauf des 75-sitzigen CRJ 700 kann das alleine auf Dauer nicht kompensieren.

Moore verweist auch darauf, dass in fünf bis zehn Jahren in der internationalen Flugzeugflotte zahlreiche Maschinen ein Alter erreicht haben werden, in dem ein drei Millionen US-Dollar teurer Check-up notwendig sein werde und Fluggesellschaften vor der Frage stünden, ob sie stattdessen nicht lieber eine neue Maschine kaufen sollten.

Ein Ausflug in den Markt für große Regionaljets könnte sich für Bombardier aber genauso gut zum unkalkulierbaren Risiko entwickeln. So konnte der brasilianische Wettbewerber Embraer für sein 110-sitziges Konkurrenzmodell Embraer 195, das im kommenden Jahr auf den Markt kommt, bisher erst 25 feste Bestellungen an Land ziehen. Für Embraer ist das weniger entscheidend, ist doch die 195 nur eine gestreckte und damit kostengünstiger entwickelte Variante eines kleineren Jets. An Flugzeuge mit bis zu 135 Sitzen trauen sich die Brasilianer erst gar nicht heran. „Da konkurriert man mit den zwei Giganten Boeing und Airbus, die bereits fest in diesem Segment etabliert sind“, warnt Embraer-Chef Mauricio Botelho.

Und selbst diese Giganten tun sich schwer im Regionaljetgeschäft. Boeing hat soeben die 100-sitzige B 717 wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Nur 12 Maschinen des Typs hat der Konzern im vergangenen Jahr verkauft. Das kleinste Modell ist jetzt die B 737-600 mit 119 Sitzen. Auch das Konkurrenzmodell von Airbus, die A 318, erweist sich nicht als Verkaufsschlager. Gerade mal 61 Exemplare sind bisher bestellt worden. Der letzte Auftrag kam vor knapp einem Jahr – die rumänische Airline Tarom orderte vier Maschinen.

Trotz allen Risikos – für Bombardier wäre der Start der neuen Großjets eine Flucht nach vorn. Musste das Unternehmen doch Ende vergangenen Jahres wegen der eingebrochenen Nachfrage die Produktion der kleineren Jets zurückfahren und 2 000 Stellen abbauen.

Rund 5 000 Jobs könnte jetzt das neue Jetprogramm nach Auskunft des Unternehmens schaffen. Die Bombardier-Beschäftigten in Montreal haben vor einer Woche einem auf sechs Jahre angelegten Tarifvertrag zugestimmt, bei dem der Stundenlohn für das erste Jahr eingefroren wird und danach um 2,5 bis drei Prozent steigen soll. Einzige Vorbedingung: Die neue C-Serie wird auf dem Gelände des bisherigen Flughafens Montreal-Mirabel gebaut – und nicht, wie ebenfalls diskutiert, in Toronto oder Belfast.

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