Kandidatin durchgefallen
Atomaufsicht lehnt neue Krümmel-Chefin ab

Der Pannenreaktor bereitet dem Betreiber Vattenfall neue Sorgen. Die Atomaufsicht von Schleswig-Holstein hat die von Vattenfall vorgeschlagene Neubesetzung der Leitung abgelehnt. Die Bewerberin sei nicht geeignet, bemängelte die Aufsicht. Ohne neue Leitung dürfe Krümmel nicht wieder ans Netz.
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DÜSSELDORF. Der Energiekonzern Vattenfall muss bei seinem Kernkraftwerk Krümmel bei Hamburg eine neue Panne verkraften. Wenige Woche bevor der umstrittene Reaktor nach einem jahrelangen Stillstand wieder hochgefahren werden sollte, lehnte die Atomaufsicht von Schleswig-Holstein die von Vattenfall vorgeschlagene Neubesetzung der Leitung ab.

Der Bewerberin sei es nicht gelungen, "fehlende praktische Erfahrung im Produktionsbereich hinreichend zu kompensieren", sagte der parteilose Justizminister Emil Schmalfuß gestern. Das Unternehmen solle einen neuen Vorschlag unterbreiten. Nach seinen Worten darf Krümmel aber erst wieder ans Netz, wenn es eine neue Leitung gibt.

Vattenfall kämpft seit Mitte 2007 mit Problemen in Krümmel. Zunächst hatte ein Transformatorgebäude gebrannt. Als Vattenfall den Reaktor im Sommer 2009 wieder anfahren wollte, musste er wegen eines Kurzschlusses in einem Transformator schon wieder vom Netz. Auch das zweite Kernkraftwerk des schwedischen Konzerns in Deutschland steht seit 2007 still.

Die Pannen brachten dem Versorger einen großen Imageverlust ein. Tausende Stromkunden wechselten ihren Anbieter. Der Stillstand kostet das Unternehmen aber Monat für Monat auch Millionen.

Nach dem von den Atomexperten des Bundes und der Länder festgestellten Standard müsse der Leiter eines Atomkraftwerks grundsätzlich eine Fachkunde-Prüfung für Schichtleiter bestanden haben, betonte der Minister. Dies sei bei der von Vattenfall vorgesehenen Krümmel-Leiterin nicht der Fall.

Vattenfall erklärte, bisher habe die Behörde keinen förmlichen Bescheid zum Personalvorschlag erlassen. Man habe jedoch die öffentlichen Erklärungen von Justizminister Schmalfuß zur Kenntnis genommen. "Sobald wir einen Bescheid erhalten haben, werden wir diesen sorgfältig prüfen und Vorschläge unterbreiten, wie wir gemeinsam mit der Behörde zu einer Lösung finden können", hieß es.

Nach einem Bericht der "Lübecker Nachrichten" soll die von Vattenfall vorgeschlagene Bewerberin bei einer praktischen Abschlussprüfung durchgefallen sein. Die 56-Jährige habe bei einer Simulation in der Übungswarte von Krümmel den Reaktor innerhalb von 30 bis 60 Minuten in einen sicheren Zustand bringen sollen. Sie habe das aber angeblich selbst in zwei Stunden nicht geschafft. Die Prüfer sollen erhebliche Mängel in der Kommunikation moniert haben. Sie wäre die erste Frau an der Spitze eines Kernkraftwerks in Deutschland gewesen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fühlte sich durch den Vorfall in ihrer Kritik bestätigt. "Das AKW Krümmel hat zwei gravierende Probleme: unlösbare technische Mängel und keine qualifizierte Leitung", sagte Atomexperte Heinz Smital. Greenpeace fordere Justizminister Schmalfuß vor diesem Hintergrund auf, die Zuverlässigkeitsprüfung für Vattenfall als nicht bestanden abzuschließen. "Vattenfall muss die Erlaubnis, Atomkraftwerke zu betreiben, jetzt endlich entzogen werden."

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