Kapazität im Mini-Werk soll um 20 Prozent erhöht werden
Der neue Stolz des Empires

Mini, Bentley, Rolls-Royce – die britische Autoindustrie ist längst in ausländischer Hand. Und erlebt goldene Zeiten.

LONDON. Sechs Fernsehkameras. Blitzlichtgewitter. Und ein Grundstein. Dies sind die Zutaten für die feierliche Erweiterung des Mini-Werks im britischen Oxford. Norbert Reithofer steht mitten im Trubel und dreht lächelnd eine Schraube in eine Edelstahlkassette. Dahinein werden die zu diesen Anlässen üblichen Utensilien gepackt: eine Lokalzeitung, ein graues Modell des Kleinwagens und eine Farbspritzpistole.

Für den BMW-Produktionschef ist die Feierstunde am Mittwoch die logische Konsequenz des Mini-Erfolgs. 280 Millionen Pfund hat BMW seit 2000 in das Werk investiert. Jetzt kommen in den nächsten beiden Jahren weitere 100 Millionen Pfund hinzu. Damit wird die Fabrik erweitert und erhält eine neue Lackiererei. Reithofer sagt: „Wir wollen die Kapazität um 20 Prozent erhöhen.“ Womöglich will Mini künftig sogar ein ganz neues Modell anbieten, eine Art Van, das aber bestätigt noch niemand.

Auf einem Ledersofa lässt sich die harte Realität leichter ertragen. Stewart McKee hat zum Gespräch in die MG-Rover-Repräsentanz am Londoner Hyde Park geladen. Verkäufer spazieren zwischen den Karossen herum, der Lack glänzt. Aber kein einziger Kunde lässt sich an diesem regnerischen Winternachmittag blicken – wie so oft in den vergangenen Monaten.

Rover ist der letzte verbliebene Autohersteller von Bedeutung, der noch durch und durch britisch ist – und vielleicht ist genau das Teil des Problems. Denn das Unternehmen mit den Marken Rover und MG schreibt tiefrote Zahlen. Und das letzte Reserverad, eine Kooperation mit der chinesischen Shanghai Automotive Industry Corporation, droht die Luft zu verlieren. „Wir sind flexibel“, betont Sprecher McKee und fügt eilig hinzu: „Die Kooperation wird schon klappen.“

Tatsächlich brauchen die Engländer von den Chinesen Geld, viel Geld. Im Gegenzug bieten die Briten den Asiaten technisches Know-how. So lautet der Plan, und jeder in der Industrie weiß, dass Rover ohne die Kapitalzulieferer aus Fernost keine Zukunft hat. Doch die Investoren zieren sich noch.

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